Alle Beiträge von Stephan Hampe

BLOG Herbst 2018


Sieben Jahre geschafft!


Fast genau ein halbes Jahr nach dem ersten Blogeintrag des Jahres 2018 darf ich heute meinen zweiten Geburtstag feiern (immer am 1. November, dem Jahrestag des Wiederaufwachens aus dem Wachkoma). Den Jahrestag des Überfalls am 18.11. habe ich mit mir  allein, ohne viel Aufhebens,  hinter mich gebracht.

Die erneute Einladung zum Geburtstag des Bekannten, den ich an jenem Abend ja auch besucht hatte, habe ich ausgeschlagen. Zwar wäre das angenehme Gesellschaft gewesen, aber dieses Datum ist doch mit zu viel Düsternis behaftet, da mochte ich nicht einfach auf eine Cocktailparty in Wannsee gehen.

„Über sieben Brücken musst Du gehen“

….. so hat es Helmut Richter für das Lied von Karat gedichtet, das später von Peter Maffay auch im Westen Deutschlands populär gemacht wurde. Die „sieben dunklen Jahre“ habe ich nun auch hinter mich gebracht, vom in Aussicht gestellten „hellen Schein“ ist allerdings immer noch nicht viel zu sehen.

Zwei Leben in einem

Es ist schon mehr als seltsam, quasi surreal, zwei Leben in einer Inkarnation zu leben. Vielfach werde ich, besonders von alten Weggefährten und Kollegen, mit meinem Beruf und meinen Fähigkeiten (Musik) von früher identifiziert. Von beidem ist bitter wenig übrig, und damit fühlt sich dieses Leben eben nicht mehr so lebendig an. Nur in einigen wenigen Projekten, zum Beispiel der im letzten Blogeintrag erwähnten Musikanalyse für einen Schweizer Radiosender, konnte ich daran anknüpfen. Etwas Vergleichbares, völlig Neues, als Aufgabe zu finden, ist mir bisher noch nicht  gelungen.  Das eine Semester Studium war ein zarter Versuch in diese Richtung, doch davon blieb lediglich das „Redaktionsbüro“. Die im Frühjahr beschriebene erste ehrenamtliche Überarbeitung der Hausarbeit einer brasilianischen Studentin wurde mit 1,7 benotet, und wir haben uns hinterher in der Mensa der EHB auf einen Kaffee getroffen, um das Ergebnis zu feiern. Als „Honorar“ für meine Bemühungen gab es eine Flasche Weißwein und eine Packung Pralinen. Und – wie es der Zufall wollte – den nächsten studentischen Klienten. Bei dem Kaffee-Rendezvous stieß ihr Dozent dazu, der gerade auch in der Mensa Pause machte, und zehn Minuten später stellte er mir einen jungen Syrer vor, der bei ihm im Seminar saß, und dessen erste Hausarbeit anstand. Zack, nächster Auftrag. Jetzt habe ich auch einiges über  „Erlebnispädagogik in der offenen Kinder- und Jugendarbeit“ (so der Titel der Arbeit) gelernt , Ergebnis: Note 1,3 für Sameh, das Treffen dazu steht noch aus…..

Darüber hinaus eigentlich nur noch die ehrenamtliche Arbeit in der Süd-Grundschule. Nach den Sommerferien traten mit den neuen Schülern in der Willkommensklasse allerdings Schwierigkeiten auf, denn deren Deutschkenntnisse sind so ungenügend, dass sie mich schlicht nicht verstanden haben. Erst recht eine Unterstützung beim eigenen Erfassen deutscher Texte war ein Ding der Unmöglichkeit. Aber die Sozialarbeiterin der Schule hat mir relativ schnell eine neue Aufgabe übertragen können: Hausaufgabenhilfe in einer Freistunde am Mittwochmittag, dazu kommt nach den Herbstferien eine neue Klasse, mit der ich wieder Texte erarbeiten können werde. Das sind zwei Tage in der Woche, die mich allerdings trotz aller weiterhin bestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen keinesfalls auslasten.

Die kleinen „milestones“: Beispiel Autofahren

Bei all der Stagnation habe ich in der ersten Jahreshälfte auch einige Fortschritte erzielen können: Kurz nachdem mein Töchterchen im Frühjahr in ihre erste eigene Wohnung gezogen war, kam ihre Bitte, eine Bohrmaschine auszuleihen. Entgegen der ersten Idee, mit der BVG nach Moabit zu fahren, entschied ich mich kurzerhand für einen BMW von DriveNow (den Account dazu hatte ich mir vor einigen Jahren, kurz vor einem der letzten epileptischen Anfälle, besorgt aber noch nie benutzt). Da der letzte Anfall nunmehr drei Jahre her ist, hatte ich mir zunächst im Januar diesen Jahres eine Fahrstunde genommen, bei einem richtigen Fahrlehrer, so dass ich sicher gehen konnte, alles noch zu beherrschen – denn immerhin habe ich ja seit Mitte 2011 kein Kraftfahrzeug mehr eigenständig nutzen können. Eins nach dem anderen: Fahrtstunde im Januar also unproblematisch, erste eigene Fahrt im Juni dann auch easy: Nachdem ich mit telefonischer Unterstützung von einer DriveNow-Mitarbeiterin die Kiste in Gang bekommen hatte, führte mich das eingebaute Navi nicht wie gedacht über städtische Straßen von Dahlem nach Moabit, sondern natürlich auf der kürzesten Verbindung über die Stadtautobahn. Auch das hat der kleine Stephan aber bravourös gemeistert. Am Ende noch mal eine kleine Komplikation: Da es meine erste Nutzung des Carsharing gewesen ist, war mir nicht bewusst, dass und wie ich mich am Ende der Fahrt abzumelden habe. Habe die Kiste einfach vor meiner Wohnung auf einen freien Parkplatz gestellt. Bis etwa eine Stunde später eine SMS kam: Ob es gewollt sei, dass ich meine Fahrt so lange unterbreche?! Dann schnell die Benutzungsbedingungen gecheckt, und alles korrekt beendet. Der Schreck kam dann mit der Rechnung: Durch eine Stunde auf dem Parkplatz vor meiner Tür sollte der Spaß 40,00€ kosten! Aber mit einer E-Mail, in der ich meine Situation und Unerfahrenheit schilderte habe ich eine Halbierung der Kosten aus Kulanz erzielen können.

Die Frustrationsmomente: Pseudo-Heiler*innen und Scharlatanerie

Trotz aller kleinen Fortschritte bleiben natürlich die Behinderungen und Beschwerlichkeiten infolge des „Zustand nach SHT3°“, wie meine chronische Krankheit offiziell genannt wird. Und deshalb springe ich auf neue Behandlungsmöglichkeiten an. Zum Beispiel, als mir eine Physiotherapeutin während der Behandlung meines verklebten Skalps ihre Ärztin in Mitte empfahl, die „Neuraltherapie“ anbietet. Darüber hatte ich schon mal im Netz gelesen, und sie erschien mir zunächst auch durchaus irgendwie plausibel, zumal es um die Aktivierung neuronaler Verknüpfungen zu gehen schien. Als ich dann auch noch erfuhr, dass die Allgemeinärztin ihre Sprechstunden über die gesetzliche Krankenkasse abrechnen würde und lediglich die mittels Spritzen zugeführten Medikamente selbst zu zahlen seien, habe ich die Dame ein paar Mal konsultiert. To cut the long story short: Es hat überhaupt nichts gebracht. „Neuraltherapie“ spritzt ein lokales Anästhetikum in Bereiche, wo die Ärztin so genannte „Störfelder“ zu identifizieren glaubt (in diesem Fall durch kinesiologisches „Testen“)  – Eine Wirkung ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Zudem wollte mir Madame eine Reihe von vermeintlichen Lebensmittelunverträglichkeiten andichten (ebenfalls kinesiologisch „ertestet“), um weitere Behandlungen zu erwirken. Als eine Vertretungsärztin bei einem weiteren Termin mit genau derselben Methode herausfand, dass dies alles nicht stimmt, habe ich angefangen, meinem Körper und meinen eigenen Erfahrungen zu trauen (Kuhmilch- wie Sojaprodukte vertrage ich hervorragend, überhaupt ernähre ich mich ausgewogen und gesund) und die „Behandlung“ dort abgebrochen.

Charité rulez!

„Heiler“ etc. hin und her, diebesten Erfahrungen habe ich in den vergangenen sieben Jahren mit der Schulmedizin, insbesondere den Künstler*innen der Charité im Campus BenjaminFranklin (CBF) in Steglitz in Verbindung mit meinen Selbstheilungskräften gemacht.Aus diesem Grund ist es mir ein besonderes Anliegen gewesen, mich an einemProjekt von Professor Jüttemann vom Institut für die Geschichte der Medizin derCharité  aus Anlass des 50jährigenJubiläums des CBF zu beteiligen. Mit seinen Studierenden dokumentiert er Erfahrungen ehemaliger und aktueller Mitarbeiter und eben Patienten. Dazu habe ich mich Anfang Juni mit zwei Studentinnen für ein Interview und Fototermin im CBF getroffen. Der Clou: Da, wo ich vor sieben Jahren mit Notarztwagen hingefahren worden bin, konnte ich diesmal allein mit dem Fahrrad hinfahren.Deshalb zeigen die Fotos mich mit Rad und Helm (sic!) vor der Notaufnahme. Kürzlich, im Oktober, wurde die Ausstellung im Südfoyer des CBF eröffnet, und  auch dazu bin ich wieder mit dem Fahrrad hingefahren.

Mit dem Fahrrad zur Notaufnahme des Charité CBF, diesmal zum Interview mit Studierenden….

Blog 2018 Frühjahr

BLOG  Frühjahr 2018 – Neuigkeiten

Nach Rückschlägen: Aufstehen und Krone richten

Nach der eher frustrierten bzw. frustrierenden Jahresbilanz 2017 lässt sich 2018 ganz erfreulich an

Erste kleine Aufgaben

Lektorat und redaktionelle Überarbeitung wissenschaftlicher Arbeiten

Aus dem zuletzt beschriebenen redaktionellen Job im sozialen Bereich entstand im neuen Jahr die Idee, dort wieder anzusetzen:

Über meine kurzzeitigen Dozenten an der EHB sowie über ‚meinen’ Semestersprecher habe ich meine Dienste als Lektor und Redakteur für wissenschaftliche Arbeiten angeboten, auf Spendenbasis, das heißt, als Gegenleistung wird lediglich vereinbart, was der- oder diejenige geben kann bzw. was seine bzw. ihre Wertschätzung ausdrückt, etwa eine Einladung zum Kaffee oder Essen oder eine Flasche Wein. Schnell fand sich eine erste Klientin, für die ich zwei Hausarbeiten überarbeitet habe. Die Brasilianerin hat in ihrer Heimat bereits in einem anderen Fach einen Bachelor-Abschluß erworben, ist aber durch Sprachschwierigkeiten in ihrer neuen Heimat Deutschland zunächst etwas gehandicapt. Inhaltlich – soweit ich das beurteilen kann – waren die Arbeiten exzellent, aber es gab einiges an Orthografie, Interpunktion und Grammatik zu bereinigen. Zudem hier und da treffendere, alternative Formulierungen in die Texte eingebracht und Hinweise auf korrektes Zitieren gegeben, also klassisches Lektorat. Die Klientin ist happy und dankbar, hat die Arbeiten eingereicht und ist zunächst auf Urlaub in die alte Heimat geflogen. Jetzt warten Autorin und Lektor gespannt auf die Ergebnisse und werden diese dann bei Kaffee und Kuchen gemeinsam feiern.

„Redaktionsbüro Stephan Hampe“

Nachdem ich diese Dienste auch bei „nebenan.de“ angeboten hatte, kamen zwei etwas größere Aufgaben dazu: Zunächst die Bachelorarbeit einer Kolumbianerin an der Technischen Universität; ihre Freundin hatte als Freundschaftdienst die Überarbeitung übernommen, dann aber wegen starker Beschäftigung mit ihren Kindern die Aufgabe an mich weiterdelegiert.

Schließlich kam noch, ebenfalls über „nebenan.de“, eine Anfrage, geschäftliche Korrespondenz zu Redigieren und ins Englische zu übersetzen. Zack, nächster Auftrag.

Neuropsychologisches Training mit positivem Nebeneffekt

Die ganze Geschichte stellt aus meiner Sicht eine klassische Win-Win-Situation dar: Ich trainiere mein angeschlagenes Gehirn, für die „Kunden“ ist es eine echte Dienstleistung, für die ich sogar kleine Kompensation bekomme. Im Effekt habe ich dadurch geschafft, wieder halbe Tage konzentriert am Schreibtisch und mit dem Rechner zu arbeiten; Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer steigen also, für mich ein weiterer Heilungsschritt.

Lesen und lesen lassen

Wie im letzten Blogeintrag schon angekündigt, habe ich mein ehrenamtliches Engagement weg von der Nachbarschaftshilfe für betagte und teils gebrechliche Menschen gewechselt hin zu einer Tätigkeit für junge Menschen: Seit Januar bin ich Lesepate in einer Willkommensklasse der Süd-Grundschule hier in Zehlendorf. Auch hier Win-Win: Ich trainiere meine angeschlagene Stimme (die ja weiterhin auch logopädisch behandelt wird), und für die Lehrerin bin ich eine Unterstützung und Bereicherung ihres Unterrichtes, wie sie mir jedenfalls zurückmeldet (denn es geht ja nicht nur ums Vorlesen, sondern auch darum, den Kindern unter anderem das Lesen beizubringen). Und das Feedback der fünf- bis siebenjährigen Kinder ist auch großartig und vermittelt mir viel Lebensfreude.

 

Fortbildung im „Schulfach Glück“: War dann wohl doch nichts

Die im letzten Blogeintrag erwähnte Möglichkeit, an der Lehrerfortbildung zum Thema „Glück“ hier in Berlin teilzunehmen, hat leider nicht geklappt. Am Ende war es wohl so, dass der Leiter des Instituts in Heidelberg eine Zusage gemacht hatte, die sein Mitarbeiter hier in Berlin nicht einhalten konnte oder wollte. Jedenfalls fiel dieser aus allen Wolken, als ich ihn am Tag vor dem ersten Seminar anrief – er war gar nicht über meine Teilnahme informiert worden. Kommunikationsfehler. Schade. Also mache ich mich weiterhin selber glücklich.

 

Gesundheitliche Entwicklung

Neue Medikation und neue Therapien

Nachdem die ja seit nunmehr zwei Jahren bestehenden, zusätzlichen Beschwerden in Form von neuropathischen Schmerzen in den Körperregionen, die eigentlich „nur“ taub geblieben sind („residuelle Hemiparesen“) im letzten Herbst vergeblich mit einem speziellen Medikament zu behandeln versucht worden waren, startete im Januar ein weiterer Versuch mit einem anderen Medikament. Zusätzlich manuelle Therapie („KGZNS“ = Krankengymnastik für das zentrale Nervensystem) für den immer noch unter unangenehmem Spannungsgefühl leidenden Skalp. Mutmaßlich sind die Faszien verklebt, das Gewebe hält sich extrem an dem künstlichen Knochen (CAD-Plastik) fest, was teils immer noch Kopfschmerzen verursacht. Die Physiotherapeutin, die nun regelmäßig meinen Skalp massiert, empfahl mir eine Ärztin in Berlin-Mitte, die Neuraltherapie anbietet. Diese Therapieform ist durchaus umstritten, aber vielfach wird auch von guten Erfolgen berichtet, insbesondere bei Beschwerden, wie ich sie immer noch infolge des Schädelhirntraumas habe. Alles zusammen macht mir große Hoffnung, dass es weitere Heilung geben wird. Allein die Tatsache, dass sich die Konzentrationsfähigkeit so fühlbar verbessert hat (siehe oben), zweigt mir, dass es konkrete Schritte gibt.

 

 

Blog Jahreswechsel 2017/18

Ernüchterung: Stagnation und Rückschritte

Wie gerne würde ich hier regelmäßig über kontinuierliche Fortschritte berichten können! 2017, das für mich so hoffnungsvoll begann, brachte leider viel Enttäuschungen und Stagnation

Soziale Arbeit an der EHB

Leider stellte sich heraus, dass der Traum vom erneuten Studium doch nur ein Traum bleiben musste. Als Ergebnis des ersten Semesters mit einigen Exkursionen unter anderem in eine Flüchtlingsunterkunft und in Kombination mit frustrierenden Erfahrungen im Rahmen meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in der Nachbarschaftshilfe habe ich festgestellt, dass das Feld der „Sozialen Arbeit“ im Allgemeinen offenbar nicht das Richtige für mich ist. Unabhängig davon, dass es völlig ungewiss ist, ob ich jemals wieder beruflich tätig werden kann, nehme ich mir die Schicksale und Probleme der Menschen, mit denen ich zu tun habe, so sehr zu Herzen, dass mich das selbst belastet. Anders ausgedrückt: Mir fehlt die erforderliche professionelle Distanz zu meinen potenziellen Klient*innen. Mit dieser Erkenntnis habe ich schweren Herzens das Studium nach einem Semester abgebrochen. Ein Wechsel an die FU ins Fach Erziehungswissenschaften (in der Erwachsenenbildung) ist aus formalen Gründen leider nicht gelungen (im Ablehnungsbescheid war von „ungünstigem Rangplatz auf der Liste der potenziellen Zweitstudenten die Rede).

Kleine Aufgaben finden sich

Unabhängig davon ist es mir im September gelungen einen kleinen redaktionellen Job zu übernehmen, bei dem ich sogar einige Kenntnisse aus dem einen Semesterchen „Soziale Arbeit“ einbringen konnte: Es ging um die redaktionelle Überarbeitung der Selbstdarstellung einer Einrichtung zur Unterstützung von Geflüchteten… Darüber hinaus durfte ich einer Hamburger Freundin, die gebürtige Iranerin ist und ein Musterbeispiel für gelungene Integration bei ihrer Bewerbung um eine Aufgabe als Koordinatorin ehrenamtlicher Helfer für Geflüchtete unterstützen. Auch das eine Kombination meiner redaktionellen Kenntnisse und Fähigkeiten aus meinem „ersten Leben“ mit dem Wissen und den Erfahrungen aus einem Semester „Soziale Arbeit“…

Erster Urlaub inklusive Flugreise seit“dem“

Im September ergab sich die Möglichkeit für einen ersten, bescheidenen Urlaub seit 2011. Zehn Tage Yoga und Wandern in Südfrankreich zu einem erschwinglichen Preis. Leider stellte sich heraus, dass die Veranstalterin eben auch nur Hobby-Yogi ist, jedenfalls offenbar keine Ausbildung zur Yogalehrerin hat. Zudem brach sich die Gute in der ersten Nacht einen Zeh, so dass auch die von ihr geführten Wanderungen weitgehend ausfallen mussten. Wir waren lediglich drei Teilnehmer aus Berlin und Brandenburg und haben uns dann selbst ein Wanderprogramm auf die Beine gestellt. Kleine Anekdote am Rande: Ich erinnerte mich, dass nach Aussagen der Ärzte an der Charité ein Flug mit den Implantaten in meinem Kopf grundsätzlich kein Problem sei. Lediglich wegen des VP-Shunts sei einiges zu bedenken und organisieren. Dieses System wird nämlich gesteuert über ein Ventil, dass mittels eines Magneten von außen eingestellt wird. Was genau zu bedenken war, fiel mir nicht gleich ein. Und so schrieb ich zwei Tage vor dem Abflug eine E-Mail an die Charité, die innerhalb weniger Stunden offenbar von Prof. Vajkoczy persönlich ins Smartphone getippt worden war: „Problemlos – Shuntpass dabei haben – guten Flug!“.

Und genauso funktionierte es: Bei der Abfertigung ein Sprüchlein aufgesagt (auf Französisch: „Je ne peut pas être scanné parce que je porte un implant“), den entsprechenden Ausweis präsentiert, und dann wurde eine Leibesvisitation anstelle des elektronischen Durchleuchtens durchgeführt. Trotz aller Probleme mit der Organisatorin eine gelungene Reise bei schönem, spätsommerlichem Wetter in der Gegend um Toulouse.

Therapien und körperliche Verfassung

Auch wenn es körperlich nach wie vor schwierig ist, mit Nervenschmerzen an den Stellen, die eigentlich „nur“ taub geblieben waren, bin ich weiter eifrig beim Rehasport unterwegs mit wöchentlich zwei Besuchen in der „Muckibude für Versehrte“. Außerdem klappt es auch mit dem Joggen wieder gut. Im Sommer habe ich erstmals die Alster in Hamburg umrundet (Innen- und Außenalster), in Berlin schaffe ich mittlerweile eine ähnliche Distanz um Schlachtensee und Krumme Lanke. Und gewandert wird viel. Neben den Tagen in Südfrankreich auch hier in Berlin und Brandenburg mit einer netten Gruppe, die ich über nebenan.de gefunden habe. Gerade am letzten Sonntag ging es 21 Kilometer von Spandau den Havelhöhenweg hinunter nach Zehlendorf.

Aussichten 2018

Ehrenamt umgestellt

Nach den oben erwähnten unschönen Erfahrungen mit älteren Menschen in der Nachbarschaftshilfe (zumeist Damen) hat sich eine andere Möglichkeit ergeben, mich ehrenamtlich einzubringen: Seit Januar 2018 bin ich Lesepate in einer Willkommensklasse der Süd-Grundschule hier in Zehlendorf. Schon nach dem ersten Einsatz wurde deutlich, dass ich einerseits eine echte Unterstützung dort bin und zweitens, dass mir die Tätigkeit Freude bringt, weil von den kleinen Menschen ungeheuer viel Positives zu mir zurück kommt.

Glück als Kompetenz

Dies führt unmittelbar zu meinem nächsten Projekt: Ab Februar werde ich an den Fortbildungsseminaren für Lehrer und Lehramtsstudenten in „Glück als Schulfach“ teilnehmen dürfen. Die Anregung dazu kam einerseits von einer alten Kieler Freundin, die als Grundschullehrerin selbst damit arbeitet. Als dann der Berliner Tagesspiegel darüber berichtete, dass dieses Fach nun auch an Berliner Schulen eingeführt werden solle, habe ich mich mit dem federführenden „Institut für Persönlichkeitsentwicklung“ in Verbindung gesetzt. Nach kurzem E-Mail-Austausch war ein Telefontermin mit dem Leiter Dr. Ernst Fritz-Schubert vereinbart. Ich habe ihm von meinem Schicksal berichtet und der positiven, optimistischen Weise, in der ich damit umgehe (Stichwort: offenbar ausgeprägte Resilienz) und mich zumindest als Gesprächspartner angeboten. Daraus wurde eine Einladung, an den Seminaren teilzunehmen, die ab 10. Februar 2018 in Räumlichkeiten der Humboldt-Universität durchgeführt werden. Voilà!

 

Blog zur Jahreswende 2016/17

Bilanz 2016

Nach den schönen und ermutigenden Erlebnissen im Sommer bei Kieler Woche und RSH-Jubiläum ging es weiter mit Schleswig-Holstein.

Kur in Damp: positive Erlebnisse und abschreckende Erfahrungen, was das Gesundheitssystem in diesem Bereich angeht.

Nachdem sich in der ersten Jahreshälfte meine neurologischen Beschwerden etwas verschlimmert hatten, bin ich mit Hoffnung in die neurologische Abteilung der Heliosklinik im Ostseebad Damp gefahren. Ein Aufenthalt mit Hindernissen, was schon mit der Beantragung begann: Eigentlich hatte ich mir eine spezialisierte Neuro-Klinik in Sankt Peter Ording an der Westküste meines Heimatlandes ausgesucht. Diese war aber nicht beim LaGeSo „gelistet“. Da der Kostenträger in meinem Fall nun mal das Landesversorgungsamt Berlin ist, wurde ich also Damp zugeteilt. Mit positiven wie negativen Konsequenzen: Schön waren die Besuche von Freunden aus Kiel und Hamburg, die mir das Dasein in dem gewöhnungsbedürftigen Kur-Apparat versüßten.

Einblicke ins konzentrierte Gesundheitssystem

Wie erwähnt, war ich also der Heliosklinik Damp zugeteilt worden. Die Qualität der Einrichtung habe ich als äußerst inhomogen erlebt. In meinem speziellen Fall ließ die Abstimmung zwischen Organisation/Verwaltung und Ärzten arg zu wünschen übrig. Die Verwaltung hatte mir vorab ein so genanntes „Komfort“-Zusatzpaket verkauft, welches Sauna- und Schwimmbadbenutzung, Zimmer mit Meerblick, WLAN und noch einige Kleinigkeiten ermöglichen sollte, Preis: stolze 399,00 €. Da ich einen Monat lang keine Kosten für Nahrungsmittel haben würde, habe ich mir das geleistet. Vor Ort dann aber Frust: Nachdem der erste Arzt noch unter anderem noch „Neurogruppe Schwimmen“ in den Therapieplan eingebaut hatte, wurde diese nach Arztwechsel nicht nur gestrichen, sondern jeglicher Aufenthalt in Sauna oder Schwimmhalle aus „versicherungstechnischen Gründen“ verboten. Grund: Die (vorab bekannte, weil in dem entsprechenden Fragebogen angegebene Epilepsie, deren letzter Anfall bei Beginn der Kur schon fast ein Jahr zurück lag). Der Versuch, vor Ort einen Teil des bereits bezahlten Zusatzpaketes zu stornieren, scheiterte an der Bürokratie der Klinik (hinterher habe ich nach aufwändigem Briefwechsel dann doch noch die Hälfte der Kosten erstattet bekommen…). Der Aufenthalt in Damp war unterm Strich ein sehr sportlicher, vierwöchiger Urlaub an einem schönen Ostsee-Spot. Positiv zu nennen sind die überwiegend engagierten und professionellen Therapeuten und Therapeutinnen. Geprägt allerdings auch von miesepetrigen Mitpatienten, die sich vorzugsweise über ihre Krankheiten und das Wetter unterhalten wollten. Weiters Thema war oft das lausige Essen. Man stelle sich vor: Das Essen für alle Helioskliniken Deutschlands wird wohl zentral in München zubereitet, von dort per Flugzeug in die jeweiligen Einrichtungen verschickt und vor Ort lediglich aufgewärmt. An den Frühstücks- und Abendessenbüffets alles voller in Plastik verpackter Aufstriche etc., was Berge von Müll erzeugt. Von Nachhaltigkeit kann hier also in mehrfacher Hinsicht nicht die Rede sein. Zurück zuhause hatte ich mehrere Arzttermine, sowohl bei meinem Neurologen als auch bei meinem Orthopäden: Beide berichteten, dass der Helios-Konzern gerade unterwegs ist, und Praxen zu Dumpingpreisen Übernahmeangebote macht, um in dem so genannten „ambulanten Markt“ Fuß zu fassen. Der Klinikmarkt ist schon besetzt, wohl auch durch intensive Lobbyarbeit bei den Kostenträgern (s.o.). Wer wundert sich da noch über die Ineffizienz unseres Gesundheitssystems?!

Herbst: Konsolidierung und Pläne schmieden

Zurück in Berlin habe ich erstmal einige Wochen gebraucht, um mich von den Strapazen der Kur zu erholen (verkehrte Welt!)

So langsam ergaben sich jedoch nach und nach einige Chancen, und ich begann, Pläne zu machen. Zwar bin ich von Arbeitsfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen weit entfernt, aber es zeichnen sich zumindest einige Betätigungsfelder ab.

Radio-Promotion

Ein Freund aus alten Radiozeiten fragte an, ob ich nicht für den jungen Berliner Singer/Songwriter Martin Goldenbaum ein bisschen mit meiner Radioerfahrung tätig sein könnte. Ein erstes Kennenlerntreffen verlief positiv, der Eindruck des Materials erschien mir viel versprechend, und im Januar wird es das erste Treffen mit seinem Produzenten, seinem Label und mir geben, bei dem wir gemeinsam überlegen, wie wir daraus etwas machen können. Alles auf dem Level, was ich konzentrations- und kräftemäßig so schaffen kann, also sehr eingeschränkt.

Marketing und Kommunikation

Ein weiteres Projekt, ebenfalls honorarfrei und auf Mini-Level ist die Unterstützung meines Freundes Dag bei seiner neuen Selbstständigkeit als Möbeldesigner, hier werde ich im neuen Jahr ebenfalls ein bisschen mit einer Facebook-Auftritt sowie ein bisschen Pressearbeit einsteigen.

Studium, nun doch

Nach zwei vergeblichen Versuchen an FU und UdK hat sich nun doch etwas gefunden: Ich habe mich zum Sommersemester 2017 an der Evangelischen Hochschule Berlin (EHB) für das Studium „Soziale Arbeit“ beworben, was sogar in Teilzeit absolviert werden kann. Alle Unterlagen inklusive Motivationsschreiben und Härtefallantrag sind eingereicht, Frist ist bis 15. Januar 2017, Start wäre dann ab Frühjahr. Selbst wenn ich – wie abzusehen – nicht wieder Vollzeit werde arbeiten können, werde ich versuchen, die dort erworbenen Kenntnisse bei ehrenamtlicher Arbeit einsetzen.

Blog Sommer 2016

BLOG , Sommer 2016

Sommer in der alten Heimat

Mein Sommer findet diesmal überwiegend in Schleswig-Holstein statt. Auftakt war wie in jeder letzten vollen Juniwoche die Kieler Woche in der alten Heimat. Diesmal ungewöhnlich sonnig, gar nicht das schon fast traditionelle Schietwetter. Sogar ein kleiner Segeltörn mit dem alten Musiker-Kollegen und Facebook-Buddy Harry Ketzschmar bei sanfter Brise war dabei (siehe Foto).

Jubiläum I: 30 Jahre Tiffany.

„It’s just a jump to the left…“ – I did the Time Warp again

Höhepunkt der Kieler Woche war für mich definitiv das Jubiläumskonzert „meiner“ Band Tiffany. Am 26. Juni 1986 waren wir erstmals im Musikzelt des Kulturamtes (seinerzeit noch gesponsored von Radio Schleswig-Holstein und allseits bekannt als R.SH-Musikzelt) in der „großen Besetzung“ aufgetreten. Zum Jubiläum kamen zu der aktuellen Besetzung noch eine Reihe Ehemaliger dazu. Und sogar ich selbst war doch tatsächlich wieder in der Lage, bei einigen Songs etwas Akustikgitarre und hier und da eine zweite Stimme beizutragen! Das sehe ich als ersten Erfolg von Musik- und Stimmtherapie an.

Drei Monate Vorbereitung an Gitarre und Gesang, und dann leider gepatzt.

In Vorbereitung diese Auftrittes hatte ich drei Monate lang geübt und meine Stimme sowie den Gitarrenpart eines Revival-Stückes aus den 1990er Jahren vorbereitet. Mein persönliches Highlight: Das Heraushören der Harmonien bereitete mir keinerlei Schwierigkeiten; vor dem Hintergrund des subjektiv weitgehenden Verlustes meiner Musikalität infolge meiner Hirnverletzungen hatte ich befürchtet, diese Fähigkeit verloren zu haben…

Allerdings: Kurz bevor „mein Lied“dran war, musste ich zur Toilette und habe mich backstage mit Nina, der Frau von Keyboarder Jan, verquatscht. Als mitten in unserem Gespräch von der Bühne her das Intro des Songs erklang, bin ich schnell wieder zurück gelaufen, konnte aber lediglich noch zwei oder drei Refrains mitsingen, die Gitarre blieb im Stativ stehen. Keine Coolness, eher zu viel Aufregung führten zu diesem Missgeschick, dass mich selbst mehr störte als alle anderen Beteiligten. Das Jubiläums-Set bestand aus einer Art „Best-of“-Zusammenstellung aus 30 Jahren, darunter auch Joshua Kadisons „Jessie“, eine Ballade vom „Mann für’s Gefühl“ Max Berghaus, die ich tatsächlich noch aus dem Gedächtnis mitspielen konnte. Auch für ein Solo war ich eigentlich eingeplant: Den Part des Riff Raff beim „Time Warp“ aus der Rocky Horror Picture Show. Für Leadgesang reicht meine Stimme allerdings (noch) nicht ganz wieder aus, und so war ich dankbar, dass Frank spontan für mich einsprang….

Jubiläum II: 30 Jahre Radio Schleswig-Holstein

Am 1. Juli 1986 startete mit R.SH der erste landesweite Privatsender Deutschlands seinen Sendebetrieb. Ich selbst war anfangs zunächst als begeisterter Hörer dabei, hatte aber drei Monate später dort meinen ersten Job am Hörertelefon und in der Verkehrsredaktion. Es folgten Praktikum und zehn Jahre freie Mitarbeit als Reporter, Nachrichten- und Musikredakteur, beides war die Grundlage für 25 Jahre beruflicher Laufbahn vom RSH-Musikchef bis zu Aufgaben als Programmdirektor und Geschäftsführer bei Beteiligungsunternehmen.

Am 3. Juli 2016 trafen sich fast 90 Kollegen und Kolleginnen aus der Gründungszeit wieder im Forsthaus Wittland – Das zweite tränenreiche und gefühlsschwangere Jubiläum innerhalb von zwei Wochen.

Ernüchtert zurück in Berlin

Nach zwei Wochen Hochstimmung und Feiern von Rekonvaleszenzerfolgen wartete in Berlin Ernüchterung auf mich: Die Bewerbung an der Universität der Künste, von der ich im letzten Eintrag berichtete, ist leider abgelehnt worden. Dann eben etwas anderes: In der kommenden Woche habe ich Beratungstermine an der FU Berlin, zum einen, was vor dem Hintergrund meiner 70prozentigen Schwerbehinderung und meiner sozialen Situation sinnvoll und machbar wäre, zum anderen, welches Fach passen könnte….

 

 

Pfingsten 2016 – Update Blog

Pfingsten – Sieben Wochen später

Diesmal genau sieben Wochen später neue Muße für nen Blogeintrag, und auch einige neue Er-Leb-nisse.

Seltsamer „Zufall“, das ich mich wieder an einem christlichen Fest hinsetze, um hier weiterzumachen. Naja, vielleich passt es ja. Nach der Auferstehung zu Ostern jetzt ein bisschen Zuwendung zum Heiligen Geist…

Neuer Arzt – neue Meinung / Kur

Zunächst gibt es von einem weiteren Arztbesuch zu berichten: Auf Empfehlung meiner Hausärztin habe ich Ende April einen weiteren Neurologen/Psychiater konsultiert. Zur meiner eigenen Vorbereitung,  und damit er sich auf unser Gespräch statt auf einen Aktenordner von Arztberichten der letzten fünf Jahre konzentrieren konnte, hatte ich die Krankheitsgeschichte auf zwei DIN-A-4-Seiten zusammengefasst und bin auf sage und schreibe vier Skalpierungen plus vier weiteren OPs unter Vollnarkose gekommen (Augen-OPs, Gesichtschirurgie, Nasenpolypen-Entfernung). Ganz schön, oder?! Ergebnis der weiteren Arztmeinung nach Studium des aktuellsten MRT-Bildes und meinem Bericht: Ich sei außergewöhnlich gut rehabilitiert bislang, besonders vor dem Hintergrund der erheblichen Verletzungen am Gehirn. Empfehlung: (noch) etwas mehr Sport, außerdem Nahrungsergänzung in Form von Magnesium und Vitamin B 12. Das kann wohl dabei unterstützen, die Nebenwirkungen des Epilepsie-Medikamentes (Müdigkeit, Depressionsneigung) abzumildern und vielleicht sogar die linksseitige Taubheit (residuelle Hemiparesen) zu beenden.

Außerdem hat mir das Versorgungsamt eine Kur in Damp 2000 an der Ostsee bewilligt, der Termin ist noch offen, aber es wird noch in diesem Sommer sein. Auch das gibt natürlich Hoffnung auf weitere körperliche Verbesserungen….

IrgendwasmitMedien – Vorbereitung

Da ich mich, wie im letzten Blogeintrag berichtet, ja um einen Studienplatz – wenigstens als Gasthörer – an der Universität der Künste beworben habe, habe ich mir Anfang Mai quasi als Einstimmung darauf mit meinem Behindertenausweis ein ermäßigtes Ticket für die re:publica beziehungsweise Media Convention geleistet. Von den vier Tagen habe ich nur zweieinhalb wahrgenommen, nicht nur weil der große Menschenauflauf und die Energie dort mir zuviel waren, auch weil ich von der „schönen neuen Welt“ der Medien, wie sie sich dort präsentiert doch ziemlich abgestoßen war: Mehrere hundert Menschen auf dem Haufen, die vorgeben, sich über Medien und deren gesellschaftlicher Wirkung austauschen zu wollen, dabei aber hauptsächlich auf die Displays ihrer Smartphones, Notebooks oder Tablets starren. Dann regen sich alle mehr oder weniger über die permanente Überwachung im Internet auf (es war der Tag, an dem Greenpeace auf dieser Veranstaltung TTIP-Leaks veröffentlichte, das Panel war so voll, das ich keinen Platz mehr abbekam; auch Edward Snowden nahm diesmal zumindest per Video-Schalte als „Speaker“ teil). Und der gemeinsame Vortrag eines Amerikaners und einer Inderin hatte eigentlich nur zum Inhalt, was Byung Chul Han bereits in seinem Buch „Psychopolitik“ auf den Punkt gebracht hat: Nämlich, wie wir es in unserem Drang, uns miteinander zu vernetzen, ganz ohne „Big Brother“ selbst zu einem riesigen, sich selbst überwachenden Netzwerk machen. Freiwillig. Und gleichzeitig wird sich in diesem Netz eifrigst über die Überwachung und totale Hergabe privatester Informationen aufgeregt…. Also meins ist das nicht. Da schreibe ich doch lieber das Blog und facebooke jeden Tag ganz selbstverständlich im Bewusstsein, dass jeder es lesen kann, meinetwegen auch die NSA. Jedenfalls gibt es ein Gefühl der Verbundenheit, und wenn die Nerds auf der re:publica ehrlich sind, geht es ihnen allen nur um diese Gefühl: „We are bound together“ – aber das wussten ja schon die Hippies in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts… Fazit: Zum einen reicht mein Bartwuchs für einen „richtigen“ Medienhipster nicht aus, zum anderen bleibe ich lieber stiller Beobachter der Szenerie, ab Herbst ja vielleicht sogar wissenschaftlicher stiller Beobachter….

Gedicht – neue Strophe

Wie schon vorher mal erwähnt, ist meine seelische Verfassung äußerst stabil geworden, deshalb habe ich das Motto-Gedicht dieser Seite um folgende Strophe ergänzt (Versmaß ist noch nicht optimal, aber Du weißt schon, was gemeint ist):

Fünf Jahre sind ins Land gegangen,

bin langsam weniger gefangen

sogar Freude kommt manchmal zaghaft auf,

das Leben nimmt sich eben seinen Lauf.

So ist das Leben eben.

Neue Chance gekriegt und zugegriffen

Bin ganz gespannt, was da noch geht.

Da geht noch Leben eben.

Neues Jahr, neues Blog – weitere kleine Rekonvaleszenz-Erfolge

 

 

Ostern – Ressurektion

Mal wieder ist fast ein halbes Jahr seit dem letzten Eintrag vergangen. Seinerzeit schrieb ich von „verbindlichen neuen Schritten bzw. Entscheidungen“ in Form des LaGeSO-Bescheides über den „Dauerzustand“. Von dieser Nachricht im Oktober 2015 dauerte es tatsächlich bis zum Ostersamstag 2016, bis der Bescheid über die Umsetzung schließlich und endlich auch im Briefkasten landete. In der Zwischenzeit hat eine andere Abteilung, die so genannte „Fürsorgestelle“ mit einem zinslosen Darlehen dafür gesorgt, dass die monatlichen Kosten wie Miete(n), Versicherungen etc. bezahlt werden konnten. Das war äußerst knapp, aber ist irgendwie schließlich gelungen. Ab April geht es „normal“ weiter. Wenn auch der Sachstand eindeutig und auch mit meinem an-geschlagenen Kopf/Verstand nachvollziehbar gewesen ist, hat der Schwebezustand meine gebeutelte Seele noch mal ganz schön durcheinander gebracht. Und wieder wundere ich mich, wie ich diese Unsicherheit psychisch auch ohne konkrete therapeutische Unterstützung (jedenfalls keine Psychotherapie) einigermaßen stabil überstehe. Eine große Hilfe sind meine Familie und Freunde, ohne die ich die letzten fünf Jahre meines „alten Lebens“ und ersten fünf Jahre meines „neuen Lebens“ bestimmt nicht so überstanden hätte….

Ich wiederhole einmal mehr meine unendliche Dankbarkeit für diese Unterstützung und Beistand. Bei allem Unglück scheine ich ja doch irgendwie gesegnet zu sein… Auch wenn ich nicht außerordentlich religös im christlichen Sinne bin, mein Glaube wird doch immer wieder gestärkt und bestätigt . Vergleiche auch die Schilderung meines Komatraumes,  die Nachricht, eine „Ressurektion“ zu erfahren; insofern ist das gerade gewesene Osterfest mit der Kunde der Auferstehung Jesu von doppelter Bedeutung für mich.

Die Ereignisse im Einzelnen:

Jahreswechsel in Kiel und Hamburg – steigende körperliche Konstitution

Im Dezember 2015 habe ich einige fröhliche und leichte Tage in Kiel verbracht, Geburtstagsfeier meiner wunderbaren Schwester in Kiel mit etlichen Freunden und Verwandten aus mehreren Jahrzehnten (einige kenne ich seit Grundschulzeiten), dabei gelang es mir erstmals seit langem, bis nach Mitternacht mitzufeiern (Schlafstörungen und frühe Erschöpfung sind verletzungsbedingt ansonsten immer noch an der Tagesordnung). Und noch in Kiel erreichte mich die Einladung meines besten Freundes aus Hamburg, mit ihm und seiner Familie sowie nochmals vielen Freunden aus der Studienzeit Silvester an der Alster zu verbringen. Gefragt, zugesagt, gesagt, getan. So habe ich erstmals seit dem „Vorfall“ einen Jahreswechsel wieder wach und im Kreise lieber Menschen verbringen können. Auch aus diesem Anlass war ich wieder zwei Tage hintereinander bis nach Mitternacht aufgeblieben. Für einen gerade mal Fünfjährigen (nach neuer Zeitrechnung) ganz ordentlich, finde ich.

Danach erstmal wieder Einleben in Berlin, viel mühsamer und langweiliger Alltag, der allerdings seit geraumer Zeit teilweise mit ehrenamtlicher Arbeit in der Nachbarschaftshilfe hier im Onkel-Tom-Kiez gefüllt wird. Seit einem guten halben Jahr betätige ich mich als Kiez-fee (=frei ehrenamtlich engagiert), indem ich einmal wöchentlich für eine alte Dame Besorgungen erledige. Gibt zumindest das Gefühl, nicht nur einsam herumzusitzen und noch etwas Sinnvolles tun zu können. Darüber hinaus weiterhin wöchentlich Musik- und Stimmtherapie sowie Rehasport („Muckibude für Versehrte“, wie ich es augenzwinkernd nenne).

 

Frühjahr 2016 – nochmals Abwechslung in Kiel

Im März stand ein weiterer Geburtstag in Kiel an. Gemeinsam mit Freunden haben wir eine Überraschungsparty organisiert, mit mir als Teil der Überraschung. Kaum war das konspirativ geplant und der Fernbus gebucht, flatterte die Einladung zum eigentlichen Fest in mein Haus, und ich habe meinen Kiel-Aufenthalt gleich für eine ganze Woche organisiert. Die „Konditionssteigerung“ vom Jahreswechsel bestätigte sich noch einmal, und wieder konnte ich eine Reihe schöner Wiedersehen mit alten Freunden feiern.

Danach erstmal wieder viel Frust, denn (s.o.) offiziell gab es noch keine konkrete Nachricht vom Versorgungsamt über das weitere Vorgehen im „Fall Hampe“. Diese Phase scheint (s.o.) nun vorerst vorüber.

Abschied vom bisherigen Beruf/ Anfang von…?

Als Berufsbezeichnung gebe ich nun offiziell „Coach und Berater im Ruhestand“ an (alternativ: – den Adelstitel hatte mir vor fünf Jahren ja die Berliner Boulevardpresse verliehen – „Radiokönig“ a.D.), alle Einträge in sozialen Netzwerken sind entsprechend geändert. Wenn auch schmerzlich, so ist das nun mal die Realität. Mein früherer Partner Simon und mein Nachfolger Nick (radicointl) haben versucht, mich mit zu den RadiodaysEurope zu nehmen, das ist  eine internationale Konferenz, die ich in der Vergangenheit mehrfach besucht hatte. Die Akkreditierung war schon geklärt, ich hätte lediglich Fahrt- und Übernachtungskosten tragen müssen, aber je näher der Termin rückte, desto klarer wurde mir: Das ist nun meine Vergangenheit (ich war bei den ersten RadiodaysEurope in Kopenhagen sogar Referent und habe einen Artikel darüber geschrieben), durch meinen Schicksalsschlag bin ich nun seit über fünf Jahren nicht mehr aktiv gewesen und habe das Gefühl, „meiner“ Branche und meinen Kollegen nichts mehr geben zu können. Also habe ich die verlockende Kurzreise nach Paris schweren Herzens abgesagt.

Das gibt ganz gut wieder, wie mein innerlicher Zustand derzeit ist: Es ist klar, dass alles, was mich beruflich und persönlich ausgemacht hat, nunmehr Geschichte ist. Unklar ist, was sich möglicherweise noch entwickelt aus dem Desaster meines Lebens. Dies Dilemma spiegelt sich auch im Bereich meiner geliebten Musik: Gitarre spielen und singen wie vor 2011 ist nach heutigem Stand nicht mehr möglich, ich lerne von Null bei den jeweiligen Therapien. Und auch dabei tun sich möglicherweise völlig neue Möglichkeiten auf, die ich vorher noch nicht mal erwägt hatte. Bei der letzten Musiktherapiestunde wurde ich erstmals an ein Klavier gesetzt und begann, Tonleitern und einfache rhythmische Übungen zu trainieren. Bei einem schönen Treffen Anfang März mit alten Radiokollegen ergab sich die wunderbare Möglichkeit, von einem Freund ein gebrauchtes E-Piano zur Verfügung zu bekommen, so dass ich nun auch zuhause damit weiter machen können werde. Außerdem habe ich mich an der Universität der Künste Berlin um eine Möglichkeit beworben, zumindest als Gasthörer tätig zu werden, um mich etwas zu beschäftigen und mir vielleicht sogar neues Wissen anzueignen. Start wäre bei Zusage im Wintersemester 2016…..

Epilepsie

Was die leidige Epilepsie angeht, so habe ich jetzt fast ein halbes Jahr lang stabile Ruhe aufgrund einer guten medikamentösen Einstellung. So darf es bitte bleiben!

 

 

 

Meine Musik – wie sie mal war.

Weil immer wieder danach gefragt wird und weil das wie im Text erwähnt ein so wichtiger Teil meines „ersten Lebens“ gewesen ist, hier einige Youtube-Links feat. myself:

1) Berliner Soulchor 2006 als Pausenfüller beim Public Viewing am Brandenburger Tor:

http://youtu.be/dYFF-1OCGxg

sowie bei einer Aufzeichnung für Deutsche Welle TV in einer Zehlendorfer Kirche: http://youtu.be/DNzQrRGqy_c

 

2) Meine eigene Acoustic-Formation „Love Shower“:

Up On the roof, James Taylor/Carole King:

http://youtu.be/K6jt2Tsss60 (grüner Salon)

http://youtu.be/K6jt2Tsss60 (Remise)

 

Soul Shadows/ Bill Withers:

http://youtu.be/K10qwTc8kng

 

Love the One you’re with/ deutsche Version von Stefan Gwildis:

http://youtu.be/u4ZvbU0ZUQQ

 

I’m yours: http://youtu.be/jC_o0D-wDfg

 

Where you lead:

http://youtu.be/fEClO2oFTuM

BLOG Oktober 2015/ Zwischenbilanz zum 4. Geburtstag

Vierter (Wieder-) Geburtstag

Heute vor vier Jahren und 14 Tagen geschah das Attentat, das mein Leben so radikal veränderte. Zwei Wochen später holten mich die Ärzte der Charité aus dem künstlichen Koma zurück, deshalb feiere ich heute meinen vierten Geburtstag.

Seit dem Letzten Eintrag ist ein halbes Jahr vergangen, einiges ist passiert, aber ich habe abgewartet, bis eine verbindliche Entscheidung über mein weiteres Leben gefallen ist (mehr dazu weiter unten)

Frühjahr: Einige schöne Wiedersehen

Wiedersehen #1: Tiffany (meine 80er und 90er Jahre)

Es ging los im April mit einer späten Geburtstagüberraschung, die meine Schwester und meine frühere Kieler Band Tiffany arrangiert hatten: Eine Party mit allen aktuellen und vielen ehemaligen Bandmitgliedern in Kiel. Es liefen alte Live-Mitschnitte aus den 80ern von Cassette zum Essen und Trinken vom „Santa Fé“ (Eingeweihte wissen, das ist unser Stamm-Mexikaner, bei dem wir uns immer nach den Proben getroffen hatten, und wo wir mehrere Unplugged-Konzerte gegeben hatten in den 90er Jahren). Danach eine Video-Orgie, denn Hanne hat als Chef-Archivarin nahezu alles aufbewahrt und digitalisiert, was es von uns jemals zu hören und sehen gab. Schließlich noch ein Fotobuch mit Fotos, Manuskripten, Setlists etc. Wertvolle Erinnerungen an eine der besten Zeiten meines Lebens!

Wiedersehen #2: Uwe Trautsch (meine 70er Jahre)

Kurze Zeit später traf ich meinen früheren Lieblingslehrer (LK Gemeinschaftskunde/Geschichte an der Hebbelschule) und langjährigen guten Freund Uwe wieder. Zunächst Kontakt per E-Mail und Telefon (wobei ich ihn zunächst vom Schock über mein Schicksal beruhigen musste), dann persönliche Treffen in Berlin-Mitte und Kiel.

Wiedersehen #3: Simon Mumford (meine 2000er Jahre)

Der besuch aus Australien von Simon, der meine „hometown“ kennenlernen wollte, ließ sich wunderbar kombinieren mit Uwe, der im Ruhestand als Fremdenführer für Kiel-Marketing arbeitet, sein dickes Schlüsselbund auspackte, und uns mit einer wundervollen, zweisprachigen Führung durch das Kieler Rathaus beglückte.

Wiedersehen #4: Nick Maloney

Simon ist mein Partner in unserer Radioberatungssozietät „radico“, eine Tätigkeit, die ich leider nicht mehr durchführen kann, weil s.u. („Dauerzustand“). Unsere Vereinbarung sieht vor, dass, wenn eine Seite mehr als zwei Jahre ihren Part nicht durchführen kann, die Markenrechte an „radico“ an die jeweils andere fällt. das war nun der Fall. Simon hat nun einen neuen Partner gefunden, den ich verrückterweise aus alten Hamburger und Berliner Radio-Zeiten kenne: Nick Maloney. Gemeinsam sind sie jetzt radicointl. Für mich bedeutet das nun Abschiednehmen von der Radiowelt, in der ich beruflich groß geworden bin, und die lange Zeit mein Lebensinhalt war und mein Leben finanziert hat. Auch wenn ich nicht mehr mitmischen kann, bleibe ich in gutem Kontakt zu den beiden.

Gesundheitliche Entwicklung

Leichte Verbesserung der Anosmie

Der Sommer war zunächst geprägt von einer erneuten Operation: Ich hatte einen guten Hals-Nasen-Ohren-Arzt gefunden, der mir Anfang Juli mit einer minimal-invasiven Methode die ausgeprägten Nasenpolypen entfernt hat.

Anosmie, also der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinnes, ist eine häufige Begleiterscheinung von Schädel-Hirn-Traumata, aber ich habe immer daran geglaubt, dass ich diese Sinne wieder zurück erlangen könnte. Und siehe da: Nach der Entfernung der Polypen ist zumindest etwas mehr als eine Ahnung des Riechens zurückgekehrt. Noch nicht so differenziert, wie zuvor. Ich habe das Bild gefunden, dass ich nunmehr zumindest wieder in „schwarz-weiss“ riechen kann.

Epilepsie

Leider ist es wieder zu zwei Anfällen gekommen. Der erste war im Februar, als ich vergessen hatte, mein Medikament einzunehmen. Unmittelbar davor hatte ich eine Fahrstunde genommen und mir einen DriveNow-Account besorgt, in der Hoffnung, wieder Auto fahren zu können. Das Fahren ging sehr gut, aber nach einem epileptischen Anfall ist aus versicherungstechnischen Gründen ein Jahr autofrei angesagt…. Also erstmal weiter Bahn, Fernbus, BVG und Fahrrad..

Der zweite Anfall kam letztes Wochenende ohne vordergründig erkennbaren Anlass wie das Versäumen der Medikamenteinnahme. Da ich auch ausreichend gegessen und geschlafen hatte, kommt nur (emotionaler) Stress als Auslöser infrage. Zwei Tage Charité und ein weiteres autofreies Jahr sind die Folgen.

Dauerzustand

Nach der Anhörung meiner Ärzte und Therapeuten haben der Amtsarzt und damit das Landesversorgungsamt in der vergangenen Woche den so genannten „Dauerzustand“ festgestellt, was bedeutet, dass ich bis auf weiteres nicht wieder arbeiten können werde. Das hat mich natürlich zunächst frustriert. Andererseits bedeutet es wirtschaftliche Absicherung für mich und meine Familie (Ich kann an dieser Stelle nur mein Loblied auf unser Sozialgesetzbuch und insbesondere das Opfer-Entschädigungsgesetz wiederholen!)

Musiktherapie

Seit einigen Wochen versuche ich, mithilfe von Musiktherapie beim gleichnamigen Institut in der Nachbarschaft, meine ebenfalls durch die Hirnverletzungen verloren gegangene Musikalität wieder zu erlangen. Wie viele wissen, habe ich seit meinem 14. Lebensjahr Gitarre gespielt und gesungen, es darin zu einigem Können gebracht; Aber jetzt fange ich bei Null wieder an.