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Blog Sommer 2016

BLOG , Sommer 2016

Sommer in der alten Heimat

Mein Sommer findet diesmal überwiegend in Schleswig-Holstein statt. Auftakt war wie in jeder letzten vollen Juniwoche die Kieler Woche in der alten Heimat. Diesmal ungewöhnlich sonnig, gar nicht das schon fast traditionelle Schietwetter. Sogar ein kleiner Segeltörn mit dem alten Musiker-Kollegen und Facebook-Buddy Harry Ketzschmar bei sanfter Brise war dabei (siehe Foto).

Jubiläum I: 30 Jahre Tiffany.

„It’s just a jump to the left…“ – I did the Time Warp again

Höhepunkt der Kieler Woche war für mich definitiv das Jubiläumskonzert „meiner“ Band Tiffany. Am 26. Juni 1986 waren wir erstmals im Musikzelt des Kulturamtes (seinerzeit noch gesponsored von Radio Schleswig-Holstein und allseits bekannt als R.SH-Musikzelt) in der „großen Besetzung“ aufgetreten. Zum Jubiläum kamen zu der aktuellen Besetzung noch eine Reihe Ehemaliger dazu. Und sogar ich selbst war doch tatsächlich wieder in der Lage, bei einigen Songs etwas Akustikgitarre und hier und da eine zweite Stimme beizutragen! Das sehe ich als ersten Erfolg von Musik- und Stimmtherapie an.

Drei Monate Vorbereitung an Gitarre und Gesang, und dann leider gepatzt.

In Vorbereitung diese Auftrittes hatte ich drei Monate lang geübt und meine Stimme sowie den Gitarrenpart eines Revival-Stückes aus den 1990er Jahren vorbereitet. Mein persönliches Highlight: Das Heraushören der Harmonien bereitete mir keinerlei Schwierigkeiten; vor dem Hintergrund des subjektiv weitgehenden Verlustes meiner Musikalität infolge meiner Hirnverletzungen hatte ich befürchtet, diese Fähigkeit verloren zu haben…

Allerdings: Kurz bevor „mein Lied“dran war, musste ich zur Toilette und habe mich backstage mit Nina, der Frau von Keyboarder Jan, verquatscht. Als mitten in unserem Gespräch von der Bühne her das Intro des Songs erklang, bin ich schnell wieder zurück gelaufen, konnte aber lediglich noch zwei oder drei Refrains mitsingen, die Gitarre blieb im Stativ stehen. Keine Coolness, eher zu viel Aufregung führten zu diesem Missgeschick, dass mich selbst mehr störte als alle anderen Beteiligten. Das Jubiläums-Set bestand aus einer Art „Best-of“-Zusammenstellung aus 30 Jahren, darunter auch Joshua Kadisons „Jessie“, eine Ballade vom „Mann für’s Gefühl“ Max Berghaus, die ich tatsächlich noch aus dem Gedächtnis mitspielen konnte. Auch für ein Solo war ich eigentlich eingeplant: Den Part des Riff Raff beim „Time Warp“ aus der Rocky Horror Picture Show. Für Leadgesang reicht meine Stimme allerdings (noch) nicht ganz wieder aus, und so war ich dankbar, dass Frank spontan für mich einsprang….

Jubiläum II: 30 Jahre Radio Schleswig-Holstein

Am 1. Juli 1986 startete mit R.SH der erste landesweite Privatsender Deutschlands seinen Sendebetrieb. Ich selbst war anfangs zunächst als begeisterter Hörer dabei, hatte aber drei Monate später dort meinen ersten Job am Hörertelefon und in der Verkehrsredaktion. Es folgten Praktikum und zehn Jahre freie Mitarbeit als Reporter, Nachrichten- und Musikredakteur, beides war die Grundlage für 25 Jahre beruflicher Laufbahn vom RSH-Musikchef bis zu Aufgaben als Programmdirektor und Geschäftsführer bei Beteiligungsunternehmen.

Am 3. Juli 2016 trafen sich fast 90 Kollegen und Kolleginnen aus der Gründungszeit wieder im Forsthaus Wittland – Das zweite tränenreiche und gefühlsschwangere Jubiläum innerhalb von zwei Wochen.

Ernüchtert zurück in Berlin

Nach zwei Wochen Hochstimmung und Feiern von Rekonvaleszenzerfolgen wartete in Berlin Ernüchterung auf mich: Die Bewerbung an der Universität der Künste, von der ich im letzten Eintrag berichtete, ist leider abgelehnt worden. Dann eben etwas anderes: In der kommenden Woche habe ich Beratungstermine an der FU Berlin, zum einen, was vor dem Hintergrund meiner 70prozentigen Schwerbehinderung und meiner sozialen Situation sinnvoll und machbar wäre, zum anderen, welches Fach passen könnte….

 

 

Pfingsten 2016 – Update Blog

Pfingsten – Sieben Wochen später

Diesmal genau sieben Wochen später neue Muße für nen Blogeintrag, und auch einige neue Er-Leb-nisse.

Seltsamer „Zufall“, das ich mich wieder an einem christlichen Fest hinsetze, um hier weiterzumachen. Naja, vielleich passt es ja. Nach der Auferstehung zu Ostern jetzt ein bisschen Zuwendung zum Heiligen Geist…

Neuer Arzt – neue Meinung / Kur

Zunächst gibt es von einem weiteren Arztbesuch zu berichten: Auf Empfehlung meiner Hausärztin habe ich Ende April einen weiteren Neurologen/Psychiater konsultiert. Zur meiner eigenen Vorbereitung,  und damit er sich auf unser Gespräch statt auf einen Aktenordner von Arztberichten der letzten fünf Jahre konzentrieren konnte, hatte ich die Krankheitsgeschichte auf zwei DIN-A-4-Seiten zusammengefasst und bin auf sage und schreibe vier Skalpierungen plus vier weiteren OPs unter Vollnarkose gekommen (Augen-OPs, Gesichtschirurgie, Nasenpolypen-Entfernung). Ganz schön, oder?! Ergebnis der weiteren Arztmeinung nach Studium des aktuellsten MRT-Bildes und meinem Bericht: Ich sei außergewöhnlich gut rehabilitiert bislang, besonders vor dem Hintergrund der erheblichen Verletzungen am Gehirn. Empfehlung: (noch) etwas mehr Sport, außerdem Nahrungsergänzung in Form von Magnesium und Vitamin B 12. Das kann wohl dabei unterstützen, die Nebenwirkungen des Epilepsie-Medikamentes (Müdigkeit, Depressionsneigung) abzumildern und vielleicht sogar die linksseitige Taubheit (residuelle Hemiparesen) zu beenden.

Außerdem hat mir das Versorgungsamt eine Kur in Damp 2000 an der Ostsee bewilligt, der Termin ist noch offen, aber es wird noch in diesem Sommer sein. Auch das gibt natürlich Hoffnung auf weitere körperliche Verbesserungen….

IrgendwasmitMedien – Vorbereitung

Da ich mich, wie im letzten Blogeintrag berichtet, ja um einen Studienplatz – wenigstens als Gasthörer – an der Universität der Künste beworben habe, habe ich mir Anfang Mai quasi als Einstimmung darauf mit meinem Behindertenausweis ein ermäßigtes Ticket für die re:publica beziehungsweise Media Convention geleistet. Von den vier Tagen habe ich nur zweieinhalb wahrgenommen, nicht nur weil der große Menschenauflauf und die Energie dort mir zuviel waren, auch weil ich von der „schönen neuen Welt“ der Medien, wie sie sich dort präsentiert doch ziemlich abgestoßen war: Mehrere hundert Menschen auf dem Haufen, die vorgeben, sich über Medien und deren gesellschaftlicher Wirkung austauschen zu wollen, dabei aber hauptsächlich auf die Displays ihrer Smartphones, Notebooks oder Tablets starren. Dann regen sich alle mehr oder weniger über die permanente Überwachung im Internet auf (es war der Tag, an dem Greenpeace auf dieser Veranstaltung TTIP-Leaks veröffentlichte, das Panel war so voll, das ich keinen Platz mehr abbekam; auch Edward Snowden nahm diesmal zumindest per Video-Schalte als „Speaker“ teil). Und der gemeinsame Vortrag eines Amerikaners und einer Inderin hatte eigentlich nur zum Inhalt, was Byung Chul Han bereits in seinem Buch „Psychopolitik“ auf den Punkt gebracht hat: Nämlich, wie wir es in unserem Drang, uns miteinander zu vernetzen, ganz ohne „Big Brother“ selbst zu einem riesigen, sich selbst überwachenden Netzwerk machen. Freiwillig. Und gleichzeitig wird sich in diesem Netz eifrigst über die Überwachung und totale Hergabe privatester Informationen aufgeregt…. Also meins ist das nicht. Da schreibe ich doch lieber das Blog und facebooke jeden Tag ganz selbstverständlich im Bewusstsein, dass jeder es lesen kann, meinetwegen auch die NSA. Jedenfalls gibt es ein Gefühl der Verbundenheit, und wenn die Nerds auf der re:publica ehrlich sind, geht es ihnen allen nur um diese Gefühl: „We are bound together“ – aber das wussten ja schon die Hippies in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts… Fazit: Zum einen reicht mein Bartwuchs für einen „richtigen“ Medienhipster nicht aus, zum anderen bleibe ich lieber stiller Beobachter der Szenerie, ab Herbst ja vielleicht sogar wissenschaftlicher stiller Beobachter….

Gedicht – neue Strophe

Wie schon vorher mal erwähnt, ist meine seelische Verfassung äußerst stabil geworden, deshalb habe ich das Motto-Gedicht dieser Seite um folgende Strophe ergänzt (Versmaß ist noch nicht optimal, aber Du weißt schon, was gemeint ist):

Fünf Jahre sind ins Land gegangen,

bin langsam weniger gefangen

sogar Freude kommt manchmal zaghaft auf,

das Leben nimmt sich eben seinen Lauf.

So ist das Leben eben.

Neue Chance gekriegt und zugegriffen

Bin ganz gespannt, was da noch geht.

Da geht noch Leben eben.

Neues Jahr, neues Blog – weitere kleine Rekonvaleszenz-Erfolge

 

 

Ostern – Ressurektion

Mal wieder ist fast ein halbes Jahr seit dem letzten Eintrag vergangen. Seinerzeit schrieb ich von „verbindlichen neuen Schritten bzw. Entscheidungen“ in Form des LaGeSO-Bescheides über den „Dauerzustand“. Von dieser Nachricht im Oktober 2015 dauerte es tatsächlich bis zum Ostersamstag 2016, bis der Bescheid über die Umsetzung schließlich und endlich auch im Briefkasten landete. In der Zwischenzeit hat eine andere Abteilung, die so genannte „Fürsorgestelle“ mit einem zinslosen Darlehen dafür gesorgt, dass die monatlichen Kosten wie Miete(n), Versicherungen etc. bezahlt werden konnten. Das war äußerst knapp, aber ist irgendwie schließlich gelungen. Ab April geht es „normal“ weiter. Wenn auch der Sachstand eindeutig und auch mit meinem an-geschlagenen Kopf/Verstand nachvollziehbar gewesen ist, hat der Schwebezustand meine gebeutelte Seele noch mal ganz schön durcheinander gebracht. Und wieder wundere ich mich, wie ich diese Unsicherheit psychisch auch ohne konkrete therapeutische Unterstützung (jedenfalls keine Psychotherapie) einigermaßen stabil überstehe. Eine große Hilfe sind meine Familie und Freunde, ohne die ich die letzten fünf Jahre meines „alten Lebens“ und ersten fünf Jahre meines „neuen Lebens“ bestimmt nicht so überstanden hätte….

Ich wiederhole einmal mehr meine unendliche Dankbarkeit für diese Unterstützung und Beistand. Bei allem Unglück scheine ich ja doch irgendwie gesegnet zu sein… Auch wenn ich nicht außerordentlich religös im christlichen Sinne bin, mein Glaube wird doch immer wieder gestärkt und bestätigt . Vergleiche auch die Schilderung meines Komatraumes,  die Nachricht, eine „Ressurektion“ zu erfahren; insofern ist das gerade gewesene Osterfest mit der Kunde der Auferstehung Jesu von doppelter Bedeutung für mich.

Die Ereignisse im Einzelnen:

Jahreswechsel in Kiel und Hamburg – steigende körperliche Konstitution

Im Dezember 2015 habe ich einige fröhliche und leichte Tage in Kiel verbracht, Geburtstagsfeier meiner wunderbaren Schwester in Kiel mit etlichen Freunden und Verwandten aus mehreren Jahrzehnten (einige kenne ich seit Grundschulzeiten), dabei gelang es mir erstmals seit langem, bis nach Mitternacht mitzufeiern (Schlafstörungen und frühe Erschöpfung sind verletzungsbedingt ansonsten immer noch an der Tagesordnung). Und noch in Kiel erreichte mich die Einladung meines besten Freundes aus Hamburg, mit ihm und seiner Familie sowie nochmals vielen Freunden aus der Studienzeit Silvester an der Alster zu verbringen. Gefragt, zugesagt, gesagt, getan. So habe ich erstmals seit dem „Vorfall“ einen Jahreswechsel wieder wach und im Kreise lieber Menschen verbringen können. Auch aus diesem Anlass war ich wieder zwei Tage hintereinander bis nach Mitternacht aufgeblieben. Für einen gerade mal Fünfjährigen (nach neuer Zeitrechnung) ganz ordentlich, finde ich.

Danach erstmal wieder Einleben in Berlin, viel mühsamer und langweiliger Alltag, der allerdings seit geraumer Zeit teilweise mit ehrenamtlicher Arbeit in der Nachbarschaftshilfe hier im Onkel-Tom-Kiez gefüllt wird. Seit einem guten halben Jahr betätige ich mich als Kiez-fee (=frei ehrenamtlich engagiert), indem ich einmal wöchentlich für eine alte Dame Besorgungen erledige. Gibt zumindest das Gefühl, nicht nur einsam herumzusitzen und noch etwas Sinnvolles tun zu können. Darüber hinaus weiterhin wöchentlich Musik- und Stimmtherapie sowie Rehasport („Muckibude für Versehrte“, wie ich es augenzwinkernd nenne).

 

Frühjahr 2016 – nochmals Abwechslung in Kiel

Im März stand ein weiterer Geburtstag in Kiel an. Gemeinsam mit Freunden haben wir eine Überraschungsparty organisiert, mit mir als Teil der Überraschung. Kaum war das konspirativ geplant und der Fernbus gebucht, flatterte die Einladung zum eigentlichen Fest in mein Haus, und ich habe meinen Kiel-Aufenthalt gleich für eine ganze Woche organisiert. Die „Konditionssteigerung“ vom Jahreswechsel bestätigte sich noch einmal, und wieder konnte ich eine Reihe schöner Wiedersehen mit alten Freunden feiern.

Danach erstmal wieder viel Frust, denn (s.o.) offiziell gab es noch keine konkrete Nachricht vom Versorgungsamt über das weitere Vorgehen im „Fall Hampe“. Diese Phase scheint (s.o.) nun vorerst vorüber.

Abschied vom bisherigen Beruf/ Anfang von…?

Als Berufsbezeichnung gebe ich nun offiziell „Coach und Berater im Ruhestand“ an (alternativ: – den Adelstitel hatte mir vor fünf Jahren ja die Berliner Boulevardpresse verliehen – „Radiokönig“ a.D.), alle Einträge in sozialen Netzwerken sind entsprechend geändert. Wenn auch schmerzlich, so ist das nun mal die Realität. Mein früherer Partner Simon und mein Nachfolger Nick (radicointl) haben versucht, mich mit zu den RadiodaysEurope zu nehmen, das ist  eine internationale Konferenz, die ich in der Vergangenheit mehrfach besucht hatte. Die Akkreditierung war schon geklärt, ich hätte lediglich Fahrt- und Übernachtungskosten tragen müssen, aber je näher der Termin rückte, desto klarer wurde mir: Das ist nun meine Vergangenheit (ich war bei den ersten RadiodaysEurope in Kopenhagen sogar Referent und habe einen Artikel darüber geschrieben), durch meinen Schicksalsschlag bin ich nun seit über fünf Jahren nicht mehr aktiv gewesen und habe das Gefühl, „meiner“ Branche und meinen Kollegen nichts mehr geben zu können. Also habe ich die verlockende Kurzreise nach Paris schweren Herzens abgesagt.

Das gibt ganz gut wieder, wie mein innerlicher Zustand derzeit ist: Es ist klar, dass alles, was mich beruflich und persönlich ausgemacht hat, nunmehr Geschichte ist. Unklar ist, was sich möglicherweise noch entwickelt aus dem Desaster meines Lebens. Dies Dilemma spiegelt sich auch im Bereich meiner geliebten Musik: Gitarre spielen und singen wie vor 2011 ist nach heutigem Stand nicht mehr möglich, ich lerne von Null bei den jeweiligen Therapien. Und auch dabei tun sich möglicherweise völlig neue Möglichkeiten auf, die ich vorher noch nicht mal erwägt hatte. Bei der letzten Musiktherapiestunde wurde ich erstmals an ein Klavier gesetzt und begann, Tonleitern und einfache rhythmische Übungen zu trainieren. Bei einem schönen Treffen Anfang März mit alten Radiokollegen ergab sich die wunderbare Möglichkeit, von einem Freund ein gebrauchtes E-Piano zur Verfügung zu bekommen, so dass ich nun auch zuhause damit weiter machen können werde. Außerdem habe ich mich an der Universität der Künste Berlin um eine Möglichkeit beworben, zumindest als Gasthörer tätig zu werden, um mich etwas zu beschäftigen und mir vielleicht sogar neues Wissen anzueignen. Start wäre bei Zusage im Wintersemester 2016…..

Epilepsie

Was die leidige Epilepsie angeht, so habe ich jetzt fast ein halbes Jahr lang stabile Ruhe aufgrund einer guten medikamentösen Einstellung. So darf es bitte bleiben!

 

 

 

BLOG Oktober 2015/ Zwischenbilanz zum 4. Geburtstag

Vierter (Wieder-) Geburtstag

Heute vor vier Jahren und 14 Tagen geschah das Attentat, das mein Leben so radikal veränderte. Zwei Wochen später holten mich die Ärzte der Charité aus dem künstlichen Koma zurück, deshalb feiere ich heute meinen vierten Geburtstag.

Seit dem Letzten Eintrag ist ein halbes Jahr vergangen, einiges ist passiert, aber ich habe abgewartet, bis eine verbindliche Entscheidung über mein weiteres Leben gefallen ist (mehr dazu weiter unten)

Frühjahr: Einige schöne Wiedersehen

Wiedersehen #1: Tiffany (meine 80er und 90er Jahre)

Es ging los im April mit einer späten Geburtstagüberraschung, die meine Schwester und meine frühere Kieler Band Tiffany arrangiert hatten: Eine Party mit allen aktuellen und vielen ehemaligen Bandmitgliedern in Kiel. Es liefen alte Live-Mitschnitte aus den 80ern von Cassette zum Essen und Trinken vom „Santa Fé“ (Eingeweihte wissen, das ist unser Stamm-Mexikaner, bei dem wir uns immer nach den Proben getroffen hatten, und wo wir mehrere Unplugged-Konzerte gegeben hatten in den 90er Jahren). Danach eine Video-Orgie, denn Hanne hat als Chef-Archivarin nahezu alles aufbewahrt und digitalisiert, was es von uns jemals zu hören und sehen gab. Schließlich noch ein Fotobuch mit Fotos, Manuskripten, Setlists etc. Wertvolle Erinnerungen an eine der besten Zeiten meines Lebens!

Wiedersehen #2: Uwe Trautsch (meine 70er Jahre)

Kurze Zeit später traf ich meinen früheren Lieblingslehrer (LK Gemeinschaftskunde/Geschichte an der Hebbelschule) und langjährigen guten Freund Uwe wieder. Zunächst Kontakt per E-Mail und Telefon (wobei ich ihn zunächst vom Schock über mein Schicksal beruhigen musste), dann persönliche Treffen in Berlin-Mitte und Kiel.

Wiedersehen #3: Simon Mumford (meine 2000er Jahre)

Der besuch aus Australien von Simon, der meine „hometown“ kennenlernen wollte, ließ sich wunderbar kombinieren mit Uwe, der im Ruhestand als Fremdenführer für Kiel-Marketing arbeitet, sein dickes Schlüsselbund auspackte, und uns mit einer wundervollen, zweisprachigen Führung durch das Kieler Rathaus beglückte.

Wiedersehen #4: Nick Maloney

Simon ist mein Partner in unserer Radioberatungssozietät „radico“, eine Tätigkeit, die ich leider nicht mehr durchführen kann, weil s.u. („Dauerzustand“). Unsere Vereinbarung sieht vor, dass, wenn eine Seite mehr als zwei Jahre ihren Part nicht durchführen kann, die Markenrechte an „radico“ an die jeweils andere fällt. das war nun der Fall. Simon hat nun einen neuen Partner gefunden, den ich verrückterweise aus alten Hamburger und Berliner Radio-Zeiten kenne: Nick Maloney. Gemeinsam sind sie jetzt radicointl. Für mich bedeutet das nun Abschiednehmen von der Radiowelt, in der ich beruflich groß geworden bin, und die lange Zeit mein Lebensinhalt war und mein Leben finanziert hat. Auch wenn ich nicht mehr mitmischen kann, bleibe ich in gutem Kontakt zu den beiden.

Gesundheitliche Entwicklung

Leichte Verbesserung der Anosmie

Der Sommer war zunächst geprägt von einer erneuten Operation: Ich hatte einen guten Hals-Nasen-Ohren-Arzt gefunden, der mir Anfang Juli mit einer minimal-invasiven Methode die ausgeprägten Nasenpolypen entfernt hat.

Anosmie, also der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinnes, ist eine häufige Begleiterscheinung von Schädel-Hirn-Traumata, aber ich habe immer daran geglaubt, dass ich diese Sinne wieder zurück erlangen könnte. Und siehe da: Nach der Entfernung der Polypen ist zumindest etwas mehr als eine Ahnung des Riechens zurückgekehrt. Noch nicht so differenziert, wie zuvor. Ich habe das Bild gefunden, dass ich nunmehr zumindest wieder in „schwarz-weiss“ riechen kann.

Epilepsie

Leider ist es wieder zu zwei Anfällen gekommen. Der erste war im Februar, als ich vergessen hatte, mein Medikament einzunehmen. Unmittelbar davor hatte ich eine Fahrstunde genommen und mir einen DriveNow-Account besorgt, in der Hoffnung, wieder Auto fahren zu können. Das Fahren ging sehr gut, aber nach einem epileptischen Anfall ist aus versicherungstechnischen Gründen ein Jahr autofrei angesagt…. Also erstmal weiter Bahn, Fernbus, BVG und Fahrrad..

Der zweite Anfall kam letztes Wochenende ohne vordergründig erkennbaren Anlass wie das Versäumen der Medikamenteinnahme. Da ich auch ausreichend gegessen und geschlafen hatte, kommt nur (emotionaler) Stress als Auslöser infrage. Zwei Tage Charité und ein weiteres autofreies Jahr sind die Folgen.

Dauerzustand

Nach der Anhörung meiner Ärzte und Therapeuten haben der Amtsarzt und damit das Landesversorgungsamt in der vergangenen Woche den so genannten „Dauerzustand“ festgestellt, was bedeutet, dass ich bis auf weiteres nicht wieder arbeiten können werde. Das hat mich natürlich zunächst frustriert. Andererseits bedeutet es wirtschaftliche Absicherung für mich und meine Familie (Ich kann an dieser Stelle nur mein Loblied auf unser Sozialgesetzbuch und insbesondere das Opfer-Entschädigungsgesetz wiederholen!)

Musiktherapie

Seit einigen Wochen versuche ich, mithilfe von Musiktherapie beim gleichnamigen Institut in der Nachbarschaft, meine ebenfalls durch die Hirnverletzungen verloren gegangene Musikalität wieder zu erlangen. Wie viele wissen, habe ich seit meinem 14. Lebensjahr Gitarre gespielt und gesungen, es darin zu einigem Können gebracht; Aber jetzt fange ich bei Null wieder an.

 

 

 

Vorher – Nachher

Hier jetzt der Nachtrag zum letzten Quartal 2014: Plastische Chirurgie @work:

Hängende Braue/ Lid infolge Schädelkalottenimplantation seit 11/2012:präfronthalb06prähalbrechts04präfrontal03Korrigierte Braue nach plastischer OP 11/2014 (noch ziemlich blau, mittlerweile abgeheilt):

postfrontal03prärechts05posthalbrechts02posthalbrechts04posthalbrechtsgroß06postrechts05

Zum Geburtstag gestern bekam ich von Töchterchen eine weitere Fotosession für das ausgeheilte Endergebnis. Demnächst hier:

PorträtoB 1(okay, hängt immer noch ein bisschen, aber das ist wohl die Fazialisparese = gelähmter Nervenast der rechten Gesichtshälfte), dadurch auch die seltsam behinderte Mimik.

Porträt oB 3

Neues Jahr, neues Blog – weiter kleine Rekonvaleszenz-Erfolge

Im Gegensatz zum letzten Eintrag 2014 gibt es diesmal keine Hiobsbotschaften zu erzählen, trotzdem wird es wieder Text-lastig.

Von weiteren „Arbeits“-Versuchen habe ich aus guten Gründen abgesehen, mich ganz auf meine Therapien und den operativen Eingriff bei den Plastischen Chirurgen der Charité konzentriert. Die OP verlief planmäßig ohne Komplikationen, Vorher-Nachher-Fotos liefere ich dann aber erst beim nächsten Mal nach (die erste Verlaufskontrolle findet Ende Januar statt, dann lasse ich mir die dort angefertigten Fotos mitgeben). Daher auch die Textlastigkeit diesmal. Ich habe mich also „machen lassen“, nicht von dem übertrieben überteuerten privaten Schönheitschirurgen in Charlottenburg, sondern von den soliden, kompetenten und dazu überaus freundlichen Menschen im Campus Benjamin-Franklin der Charité. Das Ergebnis ist sehr zufriedenstellend – und wurde komplett von der Krankenkasse übernommen…

Anlässe zum Feiern, mit erst guter, dann abnehmender Kondition

Die erste Feier als „gemachter“ Mann war der Geburtstag meiner wunderbaren Schwester in Kiel. Das gab’s viele Komplimente für meine fortschreitende Rekonvaleszenz und natürlich das zu der Zeit schon korrigierte Augenlid. Außerdem habe ich mich mal wieder mit Erfolg als DJ betätigt, mit Tanzen bis nach Mitternacht. Ein Tag der Lebensfreude! Weiter ging’s mit einem gemütlichen Weihnachtsfest „in Familie“, wieder harmonisch und durchaus langem Durchhaltevermögen. Pünktlich Heiligabend gab es dann auch neue Brillengläser, was ja der Grund des ganzen Aufrisses mit „Brow-Lift“ etc. war (Gesichtsfelderweiterung, die Überweisung zu den plastischen Chirurgen kam von meinem Augenarzt. Das mit der guten Kondition wandelte sich dann allerdings am Silvesterabend, den ich auf der schönen Privatparty eines guten Freundes begann, aber wegen akuter Müdigkeit schon vor Mitternacht zuhause beendete.

Sport: Wenn Laufen nicht läuft, geht Gehen

À propos Kondition: Nach meinem neuen Motto habe ich auch im letzten Quartal 2014 etliche Kilometer per pedes abgerissen. Sei es zu Fuß zum Rendezvous mit einer neuen Freundin (nein, nicht so, wie Du jetzt denkst!) 16 Kilometer hin und zurück nach Charlottenburg oder regelmäßig mittwochs die gleiche Entfernung zu meiner Logopädin nach Kleinmachnow. Das macht sich positiv auf die Lebensfreude und auch auf Fitness und die allmorgendlichen Anzeigen meiner Waage bemerkbar!

Ausblick: 2015 Rentner mit 52 (auf dem Papier) bzw. 4 (nach Ressurektion)?!

All diese schönen, kleinen Erfolge können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass meine Behinderungen weiter spürbar sind (taube Hand, tauber Fuß, tauber Mundwinkel, latente Epilepsie, weiterhin Sprech- (nicht Sprach-) störungen, eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit, ausgefallene Musikalität undundund, s.o.). Und so geht’s jetzt weiter: Im Mai nochmals Gutachten, dann entscheidet das Versorgungsamt, ob (Achtung, Amtsdeutsch!) der „Dauerzustand“ gegeben ist, und ich würde – ähnlich wie ein Afghanistanveteran eine „Versorgungsrente“ erhalten. Die Wahrscheinlichkeit, dass das so kommt, ist nach heutigem Stand recht groß. Mit Hilfe meiner gerade auslaufenden Psychotherapie habe ich mich seelisch darauf eingestellt, suche mir dann eben eine meinen noch vorhandenen Fähigkeiten gemäße Betätigung (sei es nun ein Ehrenamt oder, mein bisher noch heimlicher Traum: Ein weiteres Studium). Was es dann wirklich wird, im 2. Quartal 2015 wieder hier….

 

 

Oktober II, neue Abenteuer

Jetzt geht’s etwas fixer mit einem neuen Blog-Eintrag, leider aus unschönem Anlass: Denn genau einen Tag vor dem dritten Jahrestag des Attentats ereilte mich erneut ein Epilepsie-Anfall….

Abenteuer „Arbeiten üben“  und Anfall Nummer 2 in diesem Jahr

Wie zuvor geschildert, war ich dazu übergegangen, „normales“ Arbeitsleben wieder zu „üben“, und zwar in Form honorarfreien Beratens für befreundete und mir wohl gesonnene frühere Kunden bzw. Klienten. Zwei dieser „Aufträge“ kamen im Oktober zu mir. Zunächst ging’s für zwei Tage nach Hamburg, dort ging die „Arbeit“ überraschenderweise gut von der Hand: Ich hatte befürchtet, mehr als drei Jahre nach dem letztmaligen Benutzen einer bestimmten Marktforschungs-Software, diese überhaupt nicht mehr zu beherrschen; Jedoch konnte ich meinem Kumpel Carsten die gewünschte „Nachhilfe“ problemlos geben und eines seiner kleinen Probleme wie gewünscht zu beheben helfen. Erster Teilerfolg. Aber schon hier geschah auf der Rückfahrt eine merkwürdige Begebenheit: Zurück am Bahnhof Berlin-Südkreuz klemmte die Tür des ICE, so dass ich nicht aussteigen konnte und mit einem Abstecher nach Lutherstadt-Wittenberg eine Schleife durch den Osten Deutschlands drehen musste, bevor ich glücklich daheim ankam.

 

Dann, letzte Woche, zwei weitere „Übungs“-Tage bei meinem seinerzeitigen Lieblingskunden LandesWelle Thüringen in Erfurt. Hier folgenschwere Komplikation bereits auf dem Hinweg: Beim Umsteigen in Naumburg/Saale ging mein Koffer verloren, an Bord neben einigen neuen Klamotten auch mein Epilepsie-Medikament. Dadurch einen Abend und einen Morgen ohne die – wie sich herausstellen sollte – extrem wichtige Droge. Zwar gelang es, einen Zug früher als geplant zurück zu kommen. Aber kaum daheim kam, schwups, der nächste Anfall um die Ecke. Während eines sehr emotionalen Telefonates mit Freund Klaus erschienen plötzlich wieder die vertrauten, bunten, psychedelischen Blinkpunkte im Gesichtsfeld. Das Gespräch wurde abgebrochen, und als das Blinken nicht aufhörte und auch das Krampfen der Hand wieder begann, telefonierte ich Hella herbei. Sie hielt zunächst stundenlang mein Händchen in gemeinsamer Hoffnung, der Spuk würde bald wieder vorbei gehen. Aber denkste, Puppe! Drei Stunden später entschlossen wir uns, wieder die 112 zu wählen. Tatütata, und schon war ich wieder in der Charité, wo man mich blitzschnell versorgte, dann aber vier Tage zu Beobachtung auf der neurologischen Station 4b behielt. Inzwischen ist auch das wieder Geschichte, und auch der leidige Koffer wurde vom Münchner Fundbüro der Bahn gesichert und traf gestern via DHL wieder heil zuhause an.

Konsequenzen und „Magisches Denken“

Auch wenn das jetzt jeweils glimpflich abging (außer zusammen 51,00 € Kosten für das Umbuchen des Bahntickets und die Rücksendung des Koffers und der unnötigen Belastung des Gesundheitssystems mit den Krankenhauskosten, für die die TK aufkommt), sehe ich das Ganze als Zeichen von irgendwoher, dass das „Üben“ im jetzigen Zustand noch nicht angesagt ist, dass es für mich wohlmöglich überhaupt gar nicht zum „fahrenden (Berater-)Volk“ zurück gehen soll. Der Koffer als Symbol für unzählige Bahn- und Flugkilometer und einsame Hotelnächte in den vier Jahren meines Beraterdaseins ist mir da symbolischer Hinweis genug. Meine Therapeutin würde solche Gedanken jetzt als „magisches Denken“ bezeichnen, genau wie meine neueste Errungenschaft: Von meinem dürftigen Ersparten habe ich mir einen Saphir geleistet und in einen Ring fassen lassen, der mich mit seinen „magischen“ Kräften bei der Heilung unterstützen wird (schon seit dem Mittelalter wird Saphir besonders bei Gehirnerschütterung als Heilstein eingesetzt, und meine Verletzungen sind ja nun die schwerstdenkbare Form von Gehirnerschütterung). In meinem Fall funktioniert das auch noch gegen Seelenerschütterung, bitte sehr!

Fußnote: Augenlid-OP

Unterdessen waren alle Unterlagen für die im letzten Beitrag angeteaste Augenlid-OP zusammen gekommen: wie sich herausstellte, ruft der „ästhetische Chirurg“ Mondpreise dafür auf, und mit heutiger Post kam die Nachricht, dass meine private Kasse nur einen kleinen Teil davon übernehmen würde. Neuer Plan: Nächste Woche besorge ich mir vom Augenarzt eine Überweisung zur Charité, Abteilung plastische Gesichtschirurgie. Da ich ja über das Landesversorgungsamt auch in der TK bin, erhoffe ich mir einen weniger spektakulären, aber umso kostengünstigeren Eingriff auf diesem Wege.

Und wie das ausgeht, lesen Sie demnächst  hier. Stay tuned! 😉

 

Vom Frühling zum Herbst – das Dritte neue Jahr

Wie die Zeit rast! Gerade noch Frühling (letzter Blogeintrag vom Mai), zack, schon Herbst! Einen schönen Sommer durfte ich erleben, den dritten seit meiner Wiedergeburt (in knapp 14 Tagen jährt sich die Katastrophe, die meine Leben eben auf den Kopf gestellt hat, zum dritten Mal). Für die Freunde, die mir nicht auf Facebook folgen, kurz die wichtigsten Ereignisse im Überblick:

Kopenhagen im Juni

Ein wunderschöner Kurztrip, eingeladen von Schwesterherz (Geburtstaggeschenk vom Februar eingelöst), mit viel Kultur und Gemütlichkeit in einem Gartenhäuschen in Fahrradentfernung zum Zentrum der dänischen Hauptstadt. Entspannt und gestärkt wieder im Berliner Sommer zurück.

Katarakt-OP im Juli und geplante Augenlid-OP

Wie bereits beschrieben, war eine geläufige Folgeerscheinung der seinerzeit notwendig gewordenen Augen-OP wegen des Terson-Syndroms (= subdurale Einblutung in den Glaskörper) eingetreten, nämlich ein vorzeitiger „Grauer Star“ auf dem operierten rechten Auge. Auch hier hat mal wieder die moderne Medizintechnik gemeinsam mit der Kunstfertigkeit der Ärzte – in diesem Fall von Frau Professor Joussen, der Chefin der Charité-Augenklinik – gesiegt: Meine neue Linse im rechten Auge ist exakt so eingestellt, wie das gesunde, wenn auch kurzsichtige linke Auge. Seit ein paar Tagen habe ich auch schon ein entsprechend angepasstes Brillenglas und kann wieder einigermaßen klar sehen. Einigermaßen, weil sich schon das nächste Projekt rund ums Auge anbahnt: Seit der Implantation der künstlichen Schädelplastik im Oktober 2012 hängt mein rechtes Augenlid Karl-Dall-mäßig herunter und schränkt das Gesichtsfeld zusätzlich ein.

Musikalischer Sommer-Abschluss auf Usedom

Eine weitere schöne Urlaubseinladung hat im September den Sommer auf schöne Weise abgeschlossen: Freund Sebastian, Mitmusikant bei „LOVESHOWER“, feierte seinen Geburtstag auf der Ostseeinsel, und ich durfte unter anderen dabei sein. Bei der Gelegenheit erstmals wieder so was Ähnliches wie Musizieren: Bei einigen „Lagerfeuermusik“-Sessions in der Küche der Ferienwohnung ist es mir tatsächlich gelungen, ein bisschen mitzuschrummeln und sogar hie und da mal ein kleines Lick einzuwerfen! Meine geliebte Musik ist mir also nicht vollständig abhanden gekommen. Allerdings gab es jedesmal dann Frust, wenn ich versuchte, wieder die Führung zu übernehmen, und einen unserer Hits so zu spielen, so wie vor den Hirnverletzungen…..

Neuer Epilepsie-Anfall und fortgesetzte Beschwerden

Es gibt also viele kleine Freuden und Fortschritte, aber auch immer wieder Rückschläge und Stagnation. Ende August überfiel mich aus heiterem Himmel ein neuer epileptischer Anfall und brachte mich erneut in die Notaufnahme der Charité. Wie schon im Frühjahr nach sportlicher betätigung, wenn auch das Joggen nur etwa 30 Minuten bei gemäßigtem Tempo vonstatten ging, also nicht mehr Anstrengung als vom wöchentlichen Rehasport gewohnt… Und genau diese Unberechenbarkeit macht die posttraumatische Epilepsie so besonders teuflisch. Gottseidank waren Sabine und Hella schnell zur Stelle um mich zu retten…

Neben allen Fortschritten bleibt also vieles beschwerlich: Die „residuellen Hemiparesen“(Taubheit und Kältegefühl) linksseitig (Hand, Fuß und Mundwinkel), die mittlerweile oftmals sogar mit einem leichten „Phantomschmerzgefühl“ aufwarten, bleiben lästig und behindernd. Auch die Tasache, dass ich immer noch nicht vollständig schmecken und riechen kann (Anosmie) nervt sehr und verdirbt den Ansatz von Lebensfreude beim Essen und Trinken. Um die Liste zu vervollständigen und noch ein weiteres Fachwort unterzubringen, sei noch die holophone Dysartrie erwähnt, die – wohl im Zusammenspiel mit der beeinträchtigten Musikalität, macht, dass meine Stimme sehr belegt ist und ich sie nur eingeschränkt einsetzen kann (dafür nun schon die dritte Rutsche Logopädie mit mäßigen Fortschritten). Auch doof: Nachhaltige Schlafstörungen. Zwar schlafe ich mittlerweile mengenmäßig mehr, aber fast nie durch.

Und trotzdem mache ich weiter. So ist mein neues Leben eben.

 

Mai 2014: Durchhalten, Dranbleiben, Dankbarsein

Durchhalten

Auch wenn es vordergründig Stillstand gibt, ändert sich meine Sichtweise auf meinen Zustand etwas. Das begann schon im März mit dem positiven Feedback von außen(vgl. letzten Blogeintrag). Dass ich jetzt bereits im dritten Jahr nach dem Mordversuch ohne wirkliche Beschäftigung mental durchhalte (immer noch arbeitunfähig krank geschrieben), jeden Tag aufs Neue wieder angehe und so am „Leben eben“ dranbleibe, kann ich mittlerweile vor mir selbst als „Leistung“ anerkennen.

Dranbleiben

Aber auch wenn Kraft und Konzentration eingeschränkt sind, habe ich begonnen, im entsprechend reduzierten Rahmen für Freunde und treue Klienten wieder etwas Beratung und Coaching durchzuführen,  selbstverständlich honorarfrei, da – s.o. (noch) nicht wieder so wie vor der Krankheit. Wer noch daran Interesse hat, wendet sich einfach über die im Impressum angegebenen Kontaktmöglichkeiten an mich. Für mich ist es neuropsychologisches Training und eine gute Möglichkeit, erlernte Fähigkeiten nicht zu vergessen oder verkümmern zu lassen, für denjenigen, der es in Anspruch nimmt, vielleicht eine kleine Unterstützung. Also noch ein Gebiet mit Fortschritten.

Wie sich ebenfalls im letzten Eintrag schon ankündigte, muss   nun mein verletztes rechtes Auge nochmals operiert werden, Termin Anfang Juli. Aber auch wenn das nochmals wieder Einschecken in der Charité bedeutet, sehe ich der OP zuversichtlich entgegen, ist die Prognose doch recht gut. Die Kosten dafür sowie auch alle Brillenkosten werden nach einem entsprechenden Bescheid des Versorgungsamtes künftig durch die Krankenkasse übernommen. Noch ein Fortschritt, für den ich die ersten drei Monate des Jahres gekämpft hatte.

Dankbarsein.

An dieser Stelle denn auch ein dickes DANKE für die Sozialgesetzgebung unseres großartigen Landes, insbesondere das so genannte Opfer-Entschädigungs-Gesetz (OEG), sowie an das es umsetzende Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) und seine freundlichen Mitarbeiterinnen, die mich bzw. „meinen Fall“ betreuen.

Ein weiteres DICKES DANKESCHÖN geht an meine Familie und die vielen Freunde, die tatkräftig unterstützt haben in den letzten drei Jahren, die zu den höchstwahrscheinlich schwersten meines Lebens werden sollten.

Einige der WohltäterInnen sind stellvertretend in der neuen Link-Empfehlungsseite dieser Website aufgeführt:

Beispielsweise Markus Dreesen, der mich in die Geheimnisse von WordPress eingeweiht und so dieses Blog mit ermöglicht hat.

Oder Kristin Große, die mich mit ihren wundervollen energetischen Massagen und tiefgründigen wie anregenden Gesprächen unterstützt.

Und natürlich meinen Freund und Bruder Klaus Koeppe, der immer mit gutem Lebens-Rat an meiner Seite ist.

Schließlich Martina Vollbrecht, die mir die heilsame und sanfte Yogavariante Dru-Yoga nahebrachte.