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Neues Jahr, neues Blog – weitere kleine Rekonvaleszenz-Erfolge

 

 

Ostern – Ressurektion

Mal wieder ist fast ein halbes Jahr seit dem letzten Eintrag vergangen. Seinerzeit schrieb ich von „verbindlichen neuen Schritten bzw. Entscheidungen“ in Form des LaGeSO-Bescheides über den „Dauerzustand“. Von dieser Nachricht im Oktober 2015 dauerte es tatsächlich bis zum Ostersamstag 2016, bis der Bescheid über die Umsetzung schließlich und endlich auch im Briefkasten landete. In der Zwischenzeit hat eine andere Abteilung, die so genannte „Fürsorgestelle“ mit einem zinslosen Darlehen dafür gesorgt, dass die monatlichen Kosten wie Miete(n), Versicherungen etc. bezahlt werden konnten. Das war äußerst knapp, aber ist irgendwie schließlich gelungen. Ab April geht es „normal“ weiter. Wenn auch der Sachstand eindeutig und auch mit meinem an-geschlagenen Kopf/Verstand nachvollziehbar gewesen ist, hat der Schwebezustand meine gebeutelte Seele noch mal ganz schön durcheinander gebracht. Und wieder wundere ich mich, wie ich diese Unsicherheit psychisch auch ohne konkrete therapeutische Unterstützung (jedenfalls keine Psychotherapie) einigermaßen stabil überstehe. Eine große Hilfe sind meine Familie und Freunde, ohne die ich die letzten fünf Jahre meines „alten Lebens“ und ersten fünf Jahre meines „neuen Lebens“ bestimmt nicht so überstanden hätte….

Ich wiederhole einmal mehr meine unendliche Dankbarkeit für diese Unterstützung und Beistand. Bei allem Unglück scheine ich ja doch irgendwie gesegnet zu sein… Auch wenn ich nicht außerordentlich religös im christlichen Sinne bin, mein Glaube wird doch immer wieder gestärkt und bestätigt . Vergleiche auch die Schilderung meines Komatraumes,  die Nachricht, eine „Ressurektion“ zu erfahren; insofern ist das gerade gewesene Osterfest mit der Kunde der Auferstehung Jesu von doppelter Bedeutung für mich.

Die Ereignisse im Einzelnen:

Jahreswechsel in Kiel und Hamburg – steigende körperliche Konstitution

Im Dezember 2015 habe ich einige fröhliche und leichte Tage in Kiel verbracht, Geburtstagsfeier meiner wunderbaren Schwester in Kiel mit etlichen Freunden und Verwandten aus mehreren Jahrzehnten (einige kenne ich seit Grundschulzeiten), dabei gelang es mir erstmals seit langem, bis nach Mitternacht mitzufeiern (Schlafstörungen und frühe Erschöpfung sind verletzungsbedingt ansonsten immer noch an der Tagesordnung). Und noch in Kiel erreichte mich die Einladung meines besten Freundes aus Hamburg, mit ihm und seiner Familie sowie nochmals vielen Freunden aus der Studienzeit Silvester an der Alster zu verbringen. Gefragt, zugesagt, gesagt, getan. So habe ich erstmals seit dem „Vorfall“ einen Jahreswechsel wieder wach und im Kreise lieber Menschen verbringen können. Auch aus diesem Anlass war ich wieder zwei Tage hintereinander bis nach Mitternacht aufgeblieben. Für einen gerade mal Fünfjährigen (nach neuer Zeitrechnung) ganz ordentlich, finde ich.

Danach erstmal wieder Einleben in Berlin, viel mühsamer und langweiliger Alltag, der allerdings seit geraumer Zeit teilweise mit ehrenamtlicher Arbeit in der Nachbarschaftshilfe hier im Onkel-Tom-Kiez gefüllt wird. Seit einem guten halben Jahr betätige ich mich als Kiez-fee (=frei ehrenamtlich engagiert), indem ich einmal wöchentlich für eine alte Dame Besorgungen erledige. Gibt zumindest das Gefühl, nicht nur einsam herumzusitzen und noch etwas Sinnvolles tun zu können. Darüber hinaus weiterhin wöchentlich Musik- und Stimmtherapie sowie Rehasport („Muckibude für Versehrte“, wie ich es augenzwinkernd nenne).

 

Frühjahr 2016 – nochmals Abwechslung in Kiel

Im März stand ein weiterer Geburtstag in Kiel an. Gemeinsam mit Freunden haben wir eine Überraschungsparty organisiert, mit mir als Teil der Überraschung. Kaum war das konspirativ geplant und der Fernbus gebucht, flatterte die Einladung zum eigentlichen Fest in mein Haus, und ich habe meinen Kiel-Aufenthalt gleich für eine ganze Woche organisiert. Die „Konditionssteigerung“ vom Jahreswechsel bestätigte sich noch einmal, und wieder konnte ich eine Reihe schöner Wiedersehen mit alten Freunden feiern.

Danach erstmal wieder viel Frust, denn (s.o.) offiziell gab es noch keine konkrete Nachricht vom Versorgungsamt über das weitere Vorgehen im „Fall Hampe“. Diese Phase scheint (s.o.) nun vorerst vorüber.

Abschied vom bisherigen Beruf/ Anfang von…?

Als Berufsbezeichnung gebe ich nun offiziell „Coach und Berater im Ruhestand“ an (alternativ: – den Adelstitel hatte mir vor fünf Jahren ja die Berliner Boulevardpresse verliehen – „Radiokönig“ a.D.), alle Einträge in sozialen Netzwerken sind entsprechend geändert. Wenn auch schmerzlich, so ist das nun mal die Realität. Mein früherer Partner Simon und mein Nachfolger Nick (radicointl) haben versucht, mich mit zu den RadiodaysEurope zu nehmen, das ist  eine internationale Konferenz, die ich in der Vergangenheit mehrfach besucht hatte. Die Akkreditierung war schon geklärt, ich hätte lediglich Fahrt- und Übernachtungskosten tragen müssen, aber je näher der Termin rückte, desto klarer wurde mir: Das ist nun meine Vergangenheit (ich war bei den ersten RadiodaysEurope in Kopenhagen sogar Referent und habe einen Artikel darüber geschrieben), durch meinen Schicksalsschlag bin ich nun seit über fünf Jahren nicht mehr aktiv gewesen und habe das Gefühl, „meiner“ Branche und meinen Kollegen nichts mehr geben zu können. Also habe ich die verlockende Kurzreise nach Paris schweren Herzens abgesagt.

Das gibt ganz gut wieder, wie mein innerlicher Zustand derzeit ist: Es ist klar, dass alles, was mich beruflich und persönlich ausgemacht hat, nunmehr Geschichte ist. Unklar ist, was sich möglicherweise noch entwickelt aus dem Desaster meines Lebens. Dies Dilemma spiegelt sich auch im Bereich meiner geliebten Musik: Gitarre spielen und singen wie vor 2011 ist nach heutigem Stand nicht mehr möglich, ich lerne von Null bei den jeweiligen Therapien. Und auch dabei tun sich möglicherweise völlig neue Möglichkeiten auf, die ich vorher noch nicht mal erwägt hatte. Bei der letzten Musiktherapiestunde wurde ich erstmals an ein Klavier gesetzt und begann, Tonleitern und einfache rhythmische Übungen zu trainieren. Bei einem schönen Treffen Anfang März mit alten Radiokollegen ergab sich die wunderbare Möglichkeit, von einem Freund ein gebrauchtes E-Piano zur Verfügung zu bekommen, so dass ich nun auch zuhause damit weiter machen können werde. Außerdem habe ich mich an der Universität der Künste Berlin um eine Möglichkeit beworben, zumindest als Gasthörer tätig zu werden, um mich etwas zu beschäftigen und mir vielleicht sogar neues Wissen anzueignen. Start wäre bei Zusage im Wintersemester 2016…..

Epilepsie

Was die leidige Epilepsie angeht, so habe ich jetzt fast ein halbes Jahr lang stabile Ruhe aufgrund einer guten medikamentösen Einstellung. So darf es bitte bleiben!

 

 

 

BLOG Oktober 2015/ Zwischenbilanz zum 4. Geburtstag

Vierter (Wieder-) Geburtstag

Heute vor vier Jahren und 14 Tagen geschah das Attentat, das mein Leben so radikal veränderte. Zwei Wochen später holten mich die Ärzte der Charité aus dem künstlichen Koma zurück, deshalb feiere ich heute meinen vierten Geburtstag.

Seit dem Letzten Eintrag ist ein halbes Jahr vergangen, einiges ist passiert, aber ich habe abgewartet, bis eine verbindliche Entscheidung über mein weiteres Leben gefallen ist (mehr dazu weiter unten)

Frühjahr: Einige schöne Wiedersehen

Wiedersehen #1: Tiffany (meine 80er und 90er Jahre)

Es ging los im April mit einer späten Geburtstagüberraschung, die meine Schwester und meine frühere Kieler Band Tiffany arrangiert hatten: Eine Party mit allen aktuellen und vielen ehemaligen Bandmitgliedern in Kiel. Es liefen alte Live-Mitschnitte aus den 80ern von Cassette zum Essen und Trinken vom „Santa Fé“ (Eingeweihte wissen, das ist unser Stamm-Mexikaner, bei dem wir uns immer nach den Proben getroffen hatten, und wo wir mehrere Unplugged-Konzerte gegeben hatten in den 90er Jahren). Danach eine Video-Orgie, denn Hanne hat als Chef-Archivarin nahezu alles aufbewahrt und digitalisiert, was es von uns jemals zu hören und sehen gab. Schließlich noch ein Fotobuch mit Fotos, Manuskripten, Setlists etc. Wertvolle Erinnerungen an eine der besten Zeiten meines Lebens!

Wiedersehen #2: Uwe Trautsch (meine 70er Jahre)

Kurze Zeit später traf ich meinen früheren Lieblingslehrer (LK Gemeinschaftskunde/Geschichte an der Hebbelschule) und langjährigen guten Freund Uwe wieder. Zunächst Kontakt per E-Mail und Telefon (wobei ich ihn zunächst vom Schock über mein Schicksal beruhigen musste), dann persönliche Treffen in Berlin-Mitte und Kiel.

Wiedersehen #3: Simon Mumford (meine 2000er Jahre)

Der besuch aus Australien von Simon, der meine „hometown“ kennenlernen wollte, ließ sich wunderbar kombinieren mit Uwe, der im Ruhestand als Fremdenführer für Kiel-Marketing arbeitet, sein dickes Schlüsselbund auspackte, und uns mit einer wundervollen, zweisprachigen Führung durch das Kieler Rathaus beglückte.

Wiedersehen #4: Nick Maloney

Simon ist mein Partner in unserer Radioberatungssozietät „radico“, eine Tätigkeit, die ich leider nicht mehr durchführen kann, weil s.u. („Dauerzustand“). Unsere Vereinbarung sieht vor, dass, wenn eine Seite mehr als zwei Jahre ihren Part nicht durchführen kann, die Markenrechte an „radico“ an die jeweils andere fällt. das war nun der Fall. Simon hat nun einen neuen Partner gefunden, den ich verrückterweise aus alten Hamburger und Berliner Radio-Zeiten kenne: Nick Maloney. Gemeinsam sind sie jetzt radicointl. Für mich bedeutet das nun Abschiednehmen von der Radiowelt, in der ich beruflich groß geworden bin, und die lange Zeit mein Lebensinhalt war und mein Leben finanziert hat. Auch wenn ich nicht mehr mitmischen kann, bleibe ich in gutem Kontakt zu den beiden.

Gesundheitliche Entwicklung

Leichte Verbesserung der Anosmie

Der Sommer war zunächst geprägt von einer erneuten Operation: Ich hatte einen guten Hals-Nasen-Ohren-Arzt gefunden, der mir Anfang Juli mit einer minimal-invasiven Methode die ausgeprägten Nasenpolypen entfernt hat.

Anosmie, also der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinnes, ist eine häufige Begleiterscheinung von Schädel-Hirn-Traumata, aber ich habe immer daran geglaubt, dass ich diese Sinne wieder zurück erlangen könnte. Und siehe da: Nach der Entfernung der Polypen ist zumindest etwas mehr als eine Ahnung des Riechens zurückgekehrt. Noch nicht so differenziert, wie zuvor. Ich habe das Bild gefunden, dass ich nunmehr zumindest wieder in „schwarz-weiss“ riechen kann.

Epilepsie

Leider ist es wieder zu zwei Anfällen gekommen. Der erste war im Februar, als ich vergessen hatte, mein Medikament einzunehmen. Unmittelbar davor hatte ich eine Fahrstunde genommen und mir einen DriveNow-Account besorgt, in der Hoffnung, wieder Auto fahren zu können. Das Fahren ging sehr gut, aber nach einem epileptischen Anfall ist aus versicherungstechnischen Gründen ein Jahr autofrei angesagt…. Also erstmal weiter Bahn, Fernbus, BVG und Fahrrad..

Der zweite Anfall kam letztes Wochenende ohne vordergründig erkennbaren Anlass wie das Versäumen der Medikamenteinnahme. Da ich auch ausreichend gegessen und geschlafen hatte, kommt nur (emotionaler) Stress als Auslöser infrage. Zwei Tage Charité und ein weiteres autofreies Jahr sind die Folgen.

Dauerzustand

Nach der Anhörung meiner Ärzte und Therapeuten haben der Amtsarzt und damit das Landesversorgungsamt in der vergangenen Woche den so genannten „Dauerzustand“ festgestellt, was bedeutet, dass ich bis auf weiteres nicht wieder arbeiten können werde. Das hat mich natürlich zunächst frustriert. Andererseits bedeutet es wirtschaftliche Absicherung für mich und meine Familie (Ich kann an dieser Stelle nur mein Loblied auf unser Sozialgesetzbuch und insbesondere das Opfer-Entschädigungsgesetz wiederholen!)

Musiktherapie

Seit einigen Wochen versuche ich, mithilfe von Musiktherapie beim gleichnamigen Institut in der Nachbarschaft, meine ebenfalls durch die Hirnverletzungen verloren gegangene Musikalität wieder zu erlangen. Wie viele wissen, habe ich seit meinem 14. Lebensjahr Gitarre gespielt und gesungen, es darin zu einigem Können gebracht; Aber jetzt fange ich bei Null wieder an.

 

 

 

Vorher – Nachher

Hier jetzt der Nachtrag zum letzten Quartal 2014: Plastische Chirurgie @work:

Hängende Braue/ Lid infolge Schädelkalottenimplantation seit 11/2012:präfronthalb06prähalbrechts04präfrontal03Korrigierte Braue nach plastischer OP 11/2014 (noch ziemlich blau, mittlerweile abgeheilt):

postfrontal03prärechts05posthalbrechts02posthalbrechts04posthalbrechtsgroß06postrechts05

Zum Geburtstag gestern bekam ich von Töchterchen eine weitere Fotosession für das ausgeheilte Endergebnis. Demnächst hier:

PorträtoB 1(okay, hängt immer noch ein bisschen, aber das ist wohl die Fazialisparese = gelähmter Nervenast der rechten Gesichtshälfte), dadurch auch die seltsam behinderte Mimik.

Porträt oB 3

Neues Jahr, neues Blog – weiter kleine Rekonvaleszenz-Erfolge

Im Gegensatz zum letzten Eintrag 2014 gibt es diesmal keine Hiobsbotschaften zu erzählen, trotzdem wird es wieder Text-lastig.

Von weiteren „Arbeits“-Versuchen habe ich aus guten Gründen abgesehen, mich ganz auf meine Therapien und den operativen Eingriff bei den Plastischen Chirurgen der Charité konzentriert. Die OP verlief planmäßig ohne Komplikationen, Vorher-Nachher-Fotos liefere ich dann aber erst beim nächsten Mal nach (die erste Verlaufskontrolle findet Ende Januar statt, dann lasse ich mir die dort angefertigten Fotos mitgeben). Daher auch die Textlastigkeit diesmal. Ich habe mich also „machen lassen“, nicht von dem übertrieben überteuerten privaten Schönheitschirurgen in Charlottenburg, sondern von den soliden, kompetenten und dazu überaus freundlichen Menschen im Campus Benjamin-Franklin der Charité. Das Ergebnis ist sehr zufriedenstellend – und wurde komplett von der Krankenkasse übernommen…

Anlässe zum Feiern, mit erst guter, dann abnehmender Kondition

Die erste Feier als „gemachter“ Mann war der Geburtstag meiner wunderbaren Schwester in Kiel. Das gab’s viele Komplimente für meine fortschreitende Rekonvaleszenz und natürlich das zu der Zeit schon korrigierte Augenlid. Außerdem habe ich mich mal wieder mit Erfolg als DJ betätigt, mit Tanzen bis nach Mitternacht. Ein Tag der Lebensfreude! Weiter ging’s mit einem gemütlichen Weihnachtsfest „in Familie“, wieder harmonisch und durchaus langem Durchhaltevermögen. Pünktlich Heiligabend gab es dann auch neue Brillengläser, was ja der Grund des ganzen Aufrisses mit „Brow-Lift“ etc. war (Gesichtsfelderweiterung, die Überweisung zu den plastischen Chirurgen kam von meinem Augenarzt. Das mit der guten Kondition wandelte sich dann allerdings am Silvesterabend, den ich auf der schönen Privatparty eines guten Freundes begann, aber wegen akuter Müdigkeit schon vor Mitternacht zuhause beendete.

Sport: Wenn Laufen nicht läuft, geht Gehen

À propos Kondition: Nach meinem neuen Motto habe ich auch im letzten Quartal 2014 etliche Kilometer per pedes abgerissen. Sei es zu Fuß zum Rendezvous mit einer neuen Freundin (nein, nicht so, wie Du jetzt denkst!) 16 Kilometer hin und zurück nach Charlottenburg oder regelmäßig mittwochs die gleiche Entfernung zu meiner Logopädin nach Kleinmachnow. Das macht sich positiv auf die Lebensfreude und auch auf Fitness und die allmorgendlichen Anzeigen meiner Waage bemerkbar!

Ausblick: 2015 Rentner mit 52 (auf dem Papier) bzw. 4 (nach Ressurektion)?!

All diese schönen, kleinen Erfolge können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass meine Behinderungen weiter spürbar sind (taube Hand, tauber Fuß, tauber Mundwinkel, latente Epilepsie, weiterhin Sprech- (nicht Sprach-) störungen, eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit, ausgefallene Musikalität undundund, s.o.). Und so geht’s jetzt weiter: Im Mai nochmals Gutachten, dann entscheidet das Versorgungsamt, ob (Achtung, Amtsdeutsch!) der „Dauerzustand“ gegeben ist, und ich würde – ähnlich wie ein Afghanistanveteran eine „Versorgungsrente“ erhalten. Die Wahrscheinlichkeit, dass das so kommt, ist nach heutigem Stand recht groß. Mit Hilfe meiner gerade auslaufenden Psychotherapie habe ich mich seelisch darauf eingestellt, suche mir dann eben eine meinen noch vorhandenen Fähigkeiten gemäße Betätigung (sei es nun ein Ehrenamt oder, mein bisher noch heimlicher Traum: Ein weiteres Studium). Was es dann wirklich wird, im 2. Quartal 2015 wieder hier….

 

 

Oktober II, neue Abenteuer

Jetzt geht’s etwas fixer mit einem neuen Blog-Eintrag, leider aus unschönem Anlass: Denn genau einen Tag vor dem dritten Jahrestag des Attentats ereilte mich erneut ein Epilepsie-Anfall….

Abenteuer „Arbeiten üben“  und Anfall Nummer 2 in diesem Jahr

Wie zuvor geschildert, war ich dazu übergegangen, „normales“ Arbeitsleben wieder zu „üben“, und zwar in Form honorarfreien Beratens für befreundete und mir wohl gesonnene frühere Kunden bzw. Klienten. Zwei dieser „Aufträge“ kamen im Oktober zu mir. Zunächst ging’s für zwei Tage nach Hamburg, dort ging die „Arbeit“ überraschenderweise gut von der Hand: Ich hatte befürchtet, mehr als drei Jahre nach dem letztmaligen Benutzen einer bestimmten Marktforschungs-Software, diese überhaupt nicht mehr zu beherrschen; Jedoch konnte ich meinem Kumpel Carsten die gewünschte „Nachhilfe“ problemlos geben und eines seiner kleinen Probleme wie gewünscht zu beheben helfen. Erster Teilerfolg. Aber schon hier geschah auf der Rückfahrt eine merkwürdige Begebenheit: Zurück am Bahnhof Berlin-Südkreuz klemmte die Tür des ICE, so dass ich nicht aussteigen konnte und mit einem Abstecher nach Lutherstadt-Wittenberg eine Schleife durch den Osten Deutschlands drehen musste, bevor ich glücklich daheim ankam.

 

Dann, letzte Woche, zwei weitere „Übungs“-Tage bei meinem seinerzeitigen Lieblingskunden LandesWelle Thüringen in Erfurt. Hier folgenschwere Komplikation bereits auf dem Hinweg: Beim Umsteigen in Naumburg/Saale ging mein Koffer verloren, an Bord neben einigen neuen Klamotten auch mein Epilepsie-Medikament. Dadurch einen Abend und einen Morgen ohne die – wie sich herausstellen sollte – extrem wichtige Droge. Zwar gelang es, einen Zug früher als geplant zurück zu kommen. Aber kaum daheim kam, schwups, der nächste Anfall um die Ecke. Während eines sehr emotionalen Telefonates mit Freund Klaus erschienen plötzlich wieder die vertrauten, bunten, psychedelischen Blinkpunkte im Gesichtsfeld. Das Gespräch wurde abgebrochen, und als das Blinken nicht aufhörte und auch das Krampfen der Hand wieder begann, telefonierte ich Hella herbei. Sie hielt zunächst stundenlang mein Händchen in gemeinsamer Hoffnung, der Spuk würde bald wieder vorbei gehen. Aber denkste, Puppe! Drei Stunden später entschlossen wir uns, wieder die 112 zu wählen. Tatütata, und schon war ich wieder in der Charité, wo man mich blitzschnell versorgte, dann aber vier Tage zu Beobachtung auf der neurologischen Station 4b behielt. Inzwischen ist auch das wieder Geschichte, und auch der leidige Koffer wurde vom Münchner Fundbüro der Bahn gesichert und traf gestern via DHL wieder heil zuhause an.

Konsequenzen und „Magisches Denken“

Auch wenn das jetzt jeweils glimpflich abging (außer zusammen 51,00 € Kosten für das Umbuchen des Bahntickets und die Rücksendung des Koffers und der unnötigen Belastung des Gesundheitssystems mit den Krankenhauskosten, für die die TK aufkommt), sehe ich das Ganze als Zeichen von irgendwoher, dass das „Üben“ im jetzigen Zustand noch nicht angesagt ist, dass es für mich wohlmöglich überhaupt gar nicht zum „fahrenden (Berater-)Volk“ zurück gehen soll. Der Koffer als Symbol für unzählige Bahn- und Flugkilometer und einsame Hotelnächte in den vier Jahren meines Beraterdaseins ist mir da symbolischer Hinweis genug. Meine Therapeutin würde solche Gedanken jetzt als „magisches Denken“ bezeichnen, genau wie meine neueste Errungenschaft: Von meinem dürftigen Ersparten habe ich mir einen Saphir geleistet und in einen Ring fassen lassen, der mich mit seinen „magischen“ Kräften bei der Heilung unterstützen wird (schon seit dem Mittelalter wird Saphir besonders bei Gehirnerschütterung als Heilstein eingesetzt, und meine Verletzungen sind ja nun die schwerstdenkbare Form von Gehirnerschütterung). In meinem Fall funktioniert das auch noch gegen Seelenerschütterung, bitte sehr!

Fußnote: Augenlid-OP

Unterdessen waren alle Unterlagen für die im letzten Beitrag angeteaste Augenlid-OP zusammen gekommen: wie sich herausstellte, ruft der „ästhetische Chirurg“ Mondpreise dafür auf, und mit heutiger Post kam die Nachricht, dass meine private Kasse nur einen kleinen Teil davon übernehmen würde. Neuer Plan: Nächste Woche besorge ich mir vom Augenarzt eine Überweisung zur Charité, Abteilung plastische Gesichtschirurgie. Da ich ja über das Landesversorgungsamt auch in der TK bin, erhoffe ich mir einen weniger spektakulären, aber umso kostengünstigeren Eingriff auf diesem Wege.

Und wie das ausgeht, lesen Sie demnächst  hier. Stay tuned! 😉

 

Vom Frühling zum Herbst – das Dritte neue Jahr

Wie die Zeit rast! Gerade noch Frühling (letzter Blogeintrag vom Mai), zack, schon Herbst! Einen schönen Sommer durfte ich erleben, den dritten seit meiner Wiedergeburt (in knapp 14 Tagen jährt sich die Katastrophe, die meine Leben eben auf den Kopf gestellt hat, zum dritten Mal). Für die Freunde, die mir nicht auf Facebook folgen, kurz die wichtigsten Ereignisse im Überblick:

Kopenhagen im Juni

Ein wunderschöner Kurztrip, eingeladen von Schwesterherz (Geburtstaggeschenk vom Februar eingelöst), mit viel Kultur und Gemütlichkeit in einem Gartenhäuschen in Fahrradentfernung zum Zentrum der dänischen Hauptstadt. Entspannt und gestärkt wieder im Berliner Sommer zurück.

Katarakt-OP im Juli und geplante Augenlid-OP

Wie bereits beschrieben, war eine geläufige Folgeerscheinung der seinerzeit notwendig gewordenen Augen-OP wegen des Terson-Syndroms (= subdurale Einblutung in den Glaskörper) eingetreten, nämlich ein vorzeitiger „Grauer Star“ auf dem operierten rechten Auge. Auch hier hat mal wieder die moderne Medizintechnik gemeinsam mit der Kunstfertigkeit der Ärzte – in diesem Fall von Frau Professor Joussen, der Chefin der Charité-Augenklinik – gesiegt: Meine neue Linse im rechten Auge ist exakt so eingestellt, wie das gesunde, wenn auch kurzsichtige linke Auge. Seit ein paar Tagen habe ich auch schon ein entsprechend angepasstes Brillenglas und kann wieder einigermaßen klar sehen. Einigermaßen, weil sich schon das nächste Projekt rund ums Auge anbahnt: Seit der Implantation der künstlichen Schädelplastik im Oktober 2012 hängt mein rechtes Augenlid Karl-Dall-mäßig herunter und schränkt das Gesichtsfeld zusätzlich ein.

Musikalischer Sommer-Abschluss auf Usedom

Eine weitere schöne Urlaubseinladung hat im September den Sommer auf schöne Weise abgeschlossen: Freund Sebastian, Mitmusikant bei „LOVESHOWER“, feierte seinen Geburtstag auf der Ostseeinsel, und ich durfte unter anderen dabei sein. Bei der Gelegenheit erstmals wieder so was Ähnliches wie Musizieren: Bei einigen „Lagerfeuermusik“-Sessions in der Küche der Ferienwohnung ist es mir tatsächlich gelungen, ein bisschen mitzuschrummeln und sogar hie und da mal ein kleines Lick einzuwerfen! Meine geliebte Musik ist mir also nicht vollständig abhanden gekommen. Allerdings gab es jedesmal dann Frust, wenn ich versuchte, wieder die Führung zu übernehmen, und einen unserer Hits so zu spielen, so wie vor den Hirnverletzungen…..

Neuer Epilepsie-Anfall und fortgesetzte Beschwerden

Es gibt also viele kleine Freuden und Fortschritte, aber auch immer wieder Rückschläge und Stagnation. Ende August überfiel mich aus heiterem Himmel ein neuer epileptischer Anfall und brachte mich erneut in die Notaufnahme der Charité. Wie schon im Frühjahr nach sportlicher betätigung, wenn auch das Joggen nur etwa 30 Minuten bei gemäßigtem Tempo vonstatten ging, also nicht mehr Anstrengung als vom wöchentlichen Rehasport gewohnt… Und genau diese Unberechenbarkeit macht die posttraumatische Epilepsie so besonders teuflisch. Gottseidank waren Sabine und Hella schnell zur Stelle um mich zu retten…

Neben allen Fortschritten bleibt also vieles beschwerlich: Die „residuellen Hemiparesen“(Taubheit und Kältegefühl) linksseitig (Hand, Fuß und Mundwinkel), die mittlerweile oftmals sogar mit einem leichten „Phantomschmerzgefühl“ aufwarten, bleiben lästig und behindernd. Auch die Tasache, dass ich immer noch nicht vollständig schmecken und riechen kann (Anosmie) nervt sehr und verdirbt den Ansatz von Lebensfreude beim Essen und Trinken. Um die Liste zu vervollständigen und noch ein weiteres Fachwort unterzubringen, sei noch die holophone Dysartrie erwähnt, die – wohl im Zusammenspiel mit der beeinträchtigten Musikalität, macht, dass meine Stimme sehr belegt ist und ich sie nur eingeschränkt einsetzen kann (dafür nun schon die dritte Rutsche Logopädie mit mäßigen Fortschritten). Auch doof: Nachhaltige Schlafstörungen. Zwar schlafe ich mittlerweile mengenmäßig mehr, aber fast nie durch.

Und trotzdem mache ich weiter. So ist mein neues Leben eben.

 

Mai 2014: Durchhalten, Dranbleiben, Dankbarsein

Durchhalten

Auch wenn es vordergründig Stillstand gibt, ändert sich meine Sichtweise auf meinen Zustand etwas. Das begann schon im März mit dem positiven Feedback von außen(vgl. letzten Blogeintrag). Dass ich jetzt bereits im dritten Jahr nach dem Mordversuch ohne wirkliche Beschäftigung mental durchhalte (immer noch arbeitunfähig krank geschrieben), jeden Tag aufs Neue wieder angehe und so am „Leben eben“ dranbleibe, kann ich mittlerweile vor mir selbst als „Leistung“ anerkennen.

Dranbleiben

Aber auch wenn Kraft und Konzentration eingeschränkt sind, habe ich begonnen, im entsprechend reduzierten Rahmen für Freunde und treue Klienten wieder etwas Beratung und Coaching durchzuführen,  selbstverständlich honorarfrei, da – s.o. (noch) nicht wieder so wie vor der Krankheit. Wer noch daran Interesse hat, wendet sich einfach über die im Impressum angegebenen Kontaktmöglichkeiten an mich. Für mich ist es neuropsychologisches Training und eine gute Möglichkeit, erlernte Fähigkeiten nicht zu vergessen oder verkümmern zu lassen, für denjenigen, der es in Anspruch nimmt, vielleicht eine kleine Unterstützung. Also noch ein Gebiet mit Fortschritten.

Wie sich ebenfalls im letzten Eintrag schon ankündigte, muss   nun mein verletztes rechtes Auge nochmals operiert werden, Termin Anfang Juli. Aber auch wenn das nochmals wieder Einschecken in der Charité bedeutet, sehe ich der OP zuversichtlich entgegen, ist die Prognose doch recht gut. Die Kosten dafür sowie auch alle Brillenkosten werden nach einem entsprechenden Bescheid des Versorgungsamtes künftig durch die Krankenkasse übernommen. Noch ein Fortschritt, für den ich die ersten drei Monate des Jahres gekämpft hatte.

Dankbarsein.

An dieser Stelle denn auch ein dickes DANKE für die Sozialgesetzgebung unseres großartigen Landes, insbesondere das so genannte Opfer-Entschädigungs-Gesetz (OEG), sowie an das es umsetzende Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) und seine freundlichen Mitarbeiterinnen, die mich bzw. „meinen Fall“ betreuen.

Ein weiteres DICKES DANKESCHÖN geht an meine Familie und die vielen Freunde, die tatkräftig unterstützt haben in den letzten drei Jahren, die zu den höchstwahrscheinlich schwersten meines Lebens werden sollten.

Einige der WohltäterInnen sind stellvertretend in der neuen Link-Empfehlungsseite dieser Website aufgeführt:

Beispielsweise Markus Dreesen, der mich in die Geheimnisse von WordPress eingeweiht und so dieses Blog mit ermöglicht hat.

Oder Kristin Große, die mich mit ihren wundervollen energetischen Massagen und tiefgründigen wie anregenden Gesprächen unterstützt.

Und natürlich meinen Freund und Bruder Klaus Koeppe, der immer mit gutem Lebens-Rat an meiner Seite ist.

Schließlich Martina Vollbrecht, die mir die heilsame und sanfte Yogavariante Dru-Yoga nahebrachte.

 

Computerlogbuch Nummer Eins der Hampe-prise, Sternzeit 2014-03/04. (Stephan Hampe Gehirnforschung)

März und April

Die Zeit rennt dahin. Mittlerweile ist der außergewöhnlich milde Winter direkt in einen geradezu sommerlichen Frühling übergegangen, und der letzte Blogeintrag ist sechs Wochen her. Seither sind die sportlichen Aktivitäten auf das wöchentliche Rehatraining sowie gelegentliches Radfahren reduziert (mein einziges Verkehrsmittel außer der BVG und der Deutschen Bahn, an Autofahren ist nicht Ansatz zu denken, schon gar nicht nach dem neuerlichen Epilepsieanfall).

Der März startete mit einer „Kieler Woche“, Besuch bei meiner Schwester und einigen Freunden. Besonders auf den beiden Feiern (drei Geburtstage und eine Hauseinweihung ) gab es viele wunderschöne Wiedersehen, teils mit Freunden, die ich vor dem Attentat zuletzt gesehen hatte. Das durchweg schöne Feedback über meinen Rekonvaleszenz-Zustand hat mich aufgebaut und vor allem meinen Fokus wieder stärker auf die Fortschritte statt auf die Behinderungen gelenkt.

Selektive Wahrnehmung

Das zeigt auch noch mal sehr stark, wie selektiv die Wahrnehmung ist, besonders in meinem jetzigen Zustand. Im Alltag sind die faktisch weiterhin bestehenden Behinderungen besonders dominant: Das fehlende Riechen und Schmecken, die linksseitigen Lähmungen an Hand, Fuß und im Mundwinkel, die Seh-Beeinträchtigungen, vor allem auf dem operierten rechten Auge, die Konzentrationsprobleme.

Aber es gibt definitiv auch Verbesserungen, weshalb das Feedback von außen wie im März wichtig bleibt. Beispielsweise hat sich meine Kondition verbessert, auch bei Konzertbesuchen Ende März war ich teils mehrere Tage hintereinander bis Mitternacht oder länger unterwegs, was zuvor sehr selten möglich war. Treu geblieben sind mir allerdings die Schlafstörungen, denn egal ob ich nach der Tagesschau oder nach Mitternacht  schlafen gehe, fünf Stunden später bin ich erstmals wieder wach.

Neuerungen im April

Institut für Hirnforschung und Kommunikation

Anfang April war ich, wie im letzten Beitrag angekündigt, beim Institut für Gehirnforschung und Kommunikation in Stuttgart zur Messung meiner Hirnströme nach deren spezieller Methode. Das ist letztlich eine Art Spektral-EEG, wie es viele Neurologen auch anbieten, nur werden währenddessen bestimmte Impulse gegeben: beispielsweise kognitive Aufgaben wie einfache Rechnungen oder emotionale Fragen wie die nach dem schrecklichsten und dem schönsten Ereignis meines Lebens. Anhand der Timeline kann bei der Analyse genau festgestellt werden, welche Potenziale wieder zum Leben erweckt werden können und wo ggf. auch Probleme liegen.

Herr Hafffelder liest die seltsamen Wellenberge der Messgraphik wie ein Buch und konnte mich in meinen Hoffnungen bestärken: Die seit dem Trauma fehlende Musikalität ist lediglich verschüttet und dürfte zurückkommen. Gleiches gilt für jede Form der Sinnlichkeit. Außerdem wies er darauf hin, was mir auch schon einige frühere Klienten gesagt haben: Die Fähigkeit bzw. das Talent zum Zuhören und Beraten bis hin zu einer möglichen therapeutischen Tätigkeit ist sehr stark ausgeprägt in meinem angeschlagenen Hirn, möglicherweise stärker als zuvor.

Respekt hat mir ein anderer Teil der Diagnose eingeflößt: Bei der Frage nach dem schrecklichsten Erlebnis gab es natürlich einen besonderen Ausschlag: Den Überfall selbst hat meine Seele ja per Amnäsie zunächst verdrängt; aber das Trauma wirkt unterschwellig weiter, kann in einem Areal genau lokalisiert werden. Es kann sein, dass im Zuge der nun folgenden Therapie in Träumen Bilder des Attentats, das ich ja definitiv erlebt habe, hochkommen. Für den Fall habe ich aber auch etwas Konkretes an die Hand bekommen, wie damit umzugehen ist; außerdem bin ich bei einer Traumaexpertin in Therapie, die ihre Expertise bislang noch gar nicht richtig ausspielen konnte…

Die auf Basis der Analyse erstellte Trainings-CD benutze ich seit ihrer Ankunft in der vergangenen Woche täglich mehrmals und bin motiviert wie lange nicht mehr sowie fest davon überzeugt, dass sie wirken wird. Aber wie immer: Geduld gehört dazu…

Offizielle Anerkennung der Augenprobleme

Nach dreimonatigem Papierkrieg mit Krankenkasse, Versorgungsamt und sogar einem Gutachter sind nun seit Anfang April auch die Schwierigkeiten mit dem Auge offiziell als „Schädigungsfolge“ anerkannt (Der erste Gutachter war Neurologe und Psychologe und konnte offenbar mit den Augenarztbriefen nicht so viel anfangen). Nun habe ich neue Brillengläser, die möglicherweise sogar übernommen werden; Allerdings ist die fortschreitende Gliose des operierten Auges auch eventuell noch mal behandlungs-,  das hieße operationsbedürftig. Naja in einigen Wochen sehe ich klarer (sic!)

 

Bilanz Februar : Training endete fatal

28 Tage weitgehender Stillstand, bis auf das Lauftraining, wie im letzten Beitrag angeteased. Am Ende wurde jedoch auch das zum Rückschlag: Am vorletzten Tag des Monats wurde Stephan übermütig: an der Stelle, wo er sonst die Krumme Lanke umrundete, kehrte er nicht wie sonst um, sondern hängte noch den ganzen Schlachtensee hinten dran. Konditionell klappte das sogar gut! 10 Kilometer insgesamt. Die überschäumende Euphorie rächte sich jedoch am Abend mit einem leichten epileptischen Anfall (Zeitlich desorientiert hatte ich plötzlich das Gefühl, die Zeit laufe rückwärts). Wieder rettete mich Fine, die mir half, mich auf dem Abendspaziergang  immerhin räumlich problemlos zu orientieren, und mit der ich schließlich souverän daheim eintraf. Als dann auch noch ein blinkender Punkt in Regenbogenfarben vor dem linken Auge erschien, der definitiv nicht real war, wurde die Sache so unheimlich, dass ich Hella anrief, die, als sie meine krampfende linke Hand sah, sofort den Notarzt rief. Wieder mal mit tatü tata zur Charité. Nach kurzer Untersuchung wurde mein Epilepsie-Gefühl bestätigt, gleichzeitig mittels CT festgestellt, dass in Schädel und Hirn sonst alles am rechten Platz ist. Trotzdem: Dauerlauf vorerst nur noch in homöopathischer Dosis, wenn überhaupt. Wieder mal Glück gehabt in all der Scheiße. Und wieder mal wunderbare, geduldige Unterstützung durch meine Gefährtin Hella! Dankbar und erleichtert beschließe ich diesen Monat, den ich so voller Hoffnungen begonnen hatte. Die nächste Hoffnung zeichnet sich ab für April: Dann werde ich einen Termin beim Institut für Kommunikation und Hirnforschung in Stuttgart haben (mit segensreicher Unterstützung von einem alten Hamburger Freund…)

 

Die unendliche Geschichte geht also weiter, hoffentlich im März und April auch mal wieder mit guten Nachrichten. Stay tuned!